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Kolumbus - Frömmelei und Größenwahn

Irrtum erkannt

Martire hatte diversen hochstehenden Persönlichkeiten mitgeteilt, Kolumbus irre mit der seiner Behauptung, er habe Asien erreicht. Der Historiker Andrés Bernáldez:

Ich glaube, dass in der Richtung, in welcher der Admiral nach Catayo suchte, er über Land und See nach weiteren 4.800 Meilen nicht dort ankommen würde. Ich habe ihm das gesagt und zu verstehen gegeben, als er ... im Jahr 1496 mein Gast war.

Kolumbus müsste mitgekriegt haben, dass er sich mit seinen Behauptungen das Leben nicht leichter machte. Sieht aber nicht danach aus. Er glaubte offensichtlich, mittels ständiger Wiederholungen in den Briefen an die Krone seine Lage verbessern zu können. Milde gesagt war das noch weltfremder als das, was er vortrug. Irgendwie hat Kolumbus übersehen, wie hohe Herren auf Emporkömmlinge zu reagieren pflegen. Die Krone machte keine Anstalten, ihrem Titular-Admiral auch das Amt selbst und die damit verbundenen Privilegien zurückzugeben. Siehe Angelo Trivigianos Anmerkung in seinem schon zitierten Schreiben:

Ich pflege eine große Freundschaft mit Columbo, der jetzt hier ist, in Ungnade gefallen und mit wenig Geld.

Verwehrt wurde ihm, was er verdient zu haben glaubte, nämlich der richtige Aufstieg in den spanischen Hochadel, mit richtigen Einkünften und richtiger Macht. Wie sich nun herausstellte, war das um Größenordnungen schwieriger, als Amerika zu entdecken. Und sie hatten ihn sogar gedemütigt. Die Briefe nach 1498 sind offenbar unter einer enormen seelischen Anspannung entstanden.

Wunderknabe

Ein großer Plan impliziert jahrelange Studien vor der ersten Reise. Aber wie belegen? Pietro Martire? Hält seine kosmografischen Auslassungen für Märchen. Die Historiker Oviedo und Gomara? Ja, gelesen habe er, ein paar Autoren werden genannt, die jeder gelesen habe musste, der in der Materie mitreden wollte. Mit den sparsamen Anmerkungen dieser Historiker lassen sich keine herausragenden Fähigkeiten nachweisen. Das macht die HISTORIE Fernando Colóns für die Biografen so kostbar.

Er sagt auch, er habe in seinem kleinen Alter lesen gelernt und in Pavia genug studiert, so viel dass es genügte, um die Kosmografen zu verstehen, deren Lehren er sehr zugewandt war ... Aus dem gleichen Grund widmete er sich auch der Astronomie und Geometrie, weil diese Wissenschaften in gewisser Weise verwandt sind.

Hat der Vater das dem Sohn so erzählt? Nein.

Nachdem der Admiral einige Kenntnisse in diesen Wissenschaften hatte, begann er das Meer zu befahren und machte einige Reisen in Ost und West. Davon und von vielen anderen Sachen von seinen ersten Tagen habe ich nicht viel Kunde. Weil er in einer Zeit zu Tode kam, als ich nicht genug Mut und Erfahrung hatte ... ihn nach solchen Sachen zu fragen.

Fernando zitiert aus einem Brief, den sein Vater im Jahr 1501 an die erhabendsten Katholischen Könige geschickt habe:

Erhabene Fürsten, von sehr zartem Alter (tender età) an begann ich das Meer zu befahren ... und es vergingen bis heute vierzig Jahre, die ich für alle Gegenden brauchte, zu denen man heute mit Schiffen gelangt.

In Pavia studiert?

Zartes Alter? Laut der Mehrheit der Experten wurde Kolumbus 1451 geboren. Demnach wäre er etwa 11 Jahre alt gewesen , als er die Kosmografen genug verstand und die Universität von Pavia verließ. Da sie in den Einschreibungslisten der Universität Pavia nicht fündig wurden, reagieren die Biografen vorsichtig auf die Behauptung von Fernando. Madariaga meint, man könne sie als kindliche Fabelei verwerfen. Und weiter:

Soll es etwa unmöglich sein, dass jemand etwas Gescheites wissen kann, der niemals eine Universität besuchte?

Samuel Eliot Morison hält es nicht für möglich, dass sich die Eltern - Wollweber - eine Schule leisten konnten. Die meisten Biografen beharren auf Studien, lassen aber die Universität weg. Etwa Gianni Granzotto:

Sein Sohn Fernando berichtet: >Er studierte das, was ihm genügte, um die Kosmografen zu verstehen. Er befasste sich mit Astrologie und Geometrie ...

Genrebilder und Buchumschläge zeigen in vielen Variationen, wie der kleine Kolumbus im Hafen von Genua umherstreift und seinen Blick in die Ferne quasi bis nach Amerika schweifen lässt. Der junge Kolumbus als Visionär und Forscher, der seinem großen Abenteuer bebend entgegensieht. Ein Vorbild für die heranwachsende Jugend, im 19. Jahrhundert entdeckt. Der Fortschritt brauchte Männer, die nach vorne schauten, alte Brücken hinter sich abbrachen und nach neunen Ufern strebten.

Das Eigenlob

Die von Fernando übernommene Selbstdarstellung des Admirals mit dessen eigenen Worten im Brief an die Hoheiten von 1501.Von einem Studium in Pavia ist keine Rede:

Ich habe mich mit gelehrten Leuten unterhalten, mit kirchlichen und weltlichen, Lateinern und Griechen, mit Juden und Mauren und mit vielen von anderen Sekten. Dieses Verlangen fand bei Unserem Herrn viel Gnade und ich erhielt von Ihm den Geist der Intelligenz. In der Seefahrt gab er mir in Fülle, von der Astrologie gab er mir genügend und ebenso von der Geometrie und der Arithmetik und Verstand in der Seele und die Hände, um Sphären zu zeichnen und in ihnen Städte und Gebirge, Inseln und Häfen, alle am richtigen Platz. In dieser Zeit habe ich gesehen und dann studiert beim Sehen von allen Schriften kosmografisch, geschichtlich, chronistisch und philosophisch und anderen Künsten.

Die Botschaft des ganzen Briefs an die Hoheiten: Gott hat mich auserwählt und begabt, es kann nicht sein Wille sein, dass mir meine Belohung vorenthalten wird. Der Sohn gibt den Text wieder, weil er die gleichen Interessen verfolgt wie sein Vater. Biografen, die ein entsprechendes Bild von einem großen Gelehrten etc. ausmahlen, müssten auf die Problematik ihrer Quelle hinweisen oder wenigstens die ganze Passage zitieren. Sie tun es nicht, als sei ihr Anliegen mit dem der Familie noch immer identisch. Ein weitres Versäumnis ist ungleich zielstrebiger. Es betrifft die Denkrichtung des Wegbereiters.

Theologe, Prophet und Auserwählter

Der ganze Brief wurde erst im 19. Jahrhundert publiziert, nach einem Manuskript, das offensichtlich auch Fernando benutzte. Die Experten meinen, Kolumbus habe das Schreiben diktiert und mit Korrekturen versehen. Von den zitierten Autoren gibt nur John Boyd Thacher diesen Text wieder, und der übersetzt kommentarlos und geglättet ins Englische. Peinlich, dass das von Fernando zitierte Eigenlob in eine theologische Abhandlung eingebettet ist. Von dieser Qualität: Kolumbus prophezeit das Weltende in 155 Jahren:

St. Augustin sagt, dass das Ende der Welt wird sein im siebten Jahrtausend nach den Jahren der Erschaffung der Welt ... Von der Erschaffung der Welt oder Adam bis zur Ankunft unseres Herrn Jesus Christus sind es fünftausend und dreihundert und vierzig und drei Tage und dreihundert und zehn und acht Tage nach der Rechnung von König Don Alonso ... Mit den fehlenden tausend und fünfhundert und einem fehlen zusammen sechs tausend achthundert vierzig und fünf. Nach dieser Rechnung fehlen nur einhundert und fünfzig und fünf Jahre um die sieben Tausend zu vervollständigen, in welchem Jahr laut den besagten Autoritäten die Welt enden muss.

Das Schreiben beginnt:

Christlichste und erhabendste Fürsten, meine Gründe für die Wiedergewinnung der heiligen Grabeskirche für die heilige streitbare Kirche sind die folgenden: Erhabendste Könige. Mit sehr kleinem Alter begann ich das Meer zu befahren und habe es fortgesetzt bis heute.

Weiter wie schon zitiert. Dann:

Mit dieser Leidenschaft kam ich zu Eueren Hoheiten. Alle, die von meinem Unternehmen hörten, lehnten es mit Lachen und Spott ab ...

Weiter Klage, dann Beschreibung der Quellen seiner Erkenntnisse:

In Eueren Hoheiten allein blieben Glauben und Festigkeit. Wer zweifelt daran, dass dieses Licht vom Heiligen Geist kam, so wie von mir.

So wie von mir. So steht es da. Weiter, der Heilige Geist,

... der mit Strahlen von wunderbarer Klarheit euch tröstet mit seiner heiligen und geheiligten Schrift hoch und hell mit vierzig und vier Büchern des Alten Testaments und vier Evangelien und zwanzig und drei Episteln dieser seligen Apostel, der mich angefeuert hat, dass ich weitermache und ohne einen Moment abzulassen, mich anfeuert mit großer Eile.

Kurz, der Heilige Geist hat ihn beflügelt, und geleuchtet haben beide.

Ein offensichtliches Wunder wollte Unser Herr machen in dieser Reise nach la Indias, um mich zu trösten, mich und andere durch Befreiung der Grabeskirche.

Weiter Klage, schließlich Begründung für das Gelingen:

Dann kam es so, wie Jesus Christus unser Erlöser es wollte, und wie es vorher durch den Mund unserer heiligen Propheten gesagt wurde.

Die Evangelisten werden reichlich zitiert, aber da keiner von ihnen mit der notwendigen Deutlichkeit eine Entdeckung durch Kolumbus prophezeit hat, müssen umständliche Auslegungen herhalten, seitenlang. Der Autor verwirft zwischendurch seine weltliche Lektüre:

Ich halte mich nur an die heiligen und geheiligten Schriften und einen prophetischen Autoritäten und einige Heilige.

Oder er gibt die heilige Einfalt:

Einige tadeln mich in verschiedener Weise: nicht gelehrt im Schrifttum, Laie als Seemann, ein weltlicher Mann. Ich antworte ihnen mit den Worten von San Mateus: Oh Herr, der du so viele Sachen den Wissenden verheimlichst und den Unschuldigen offenbarst. Und der gleiche San Mateo: Als der Herr nach Jerusalem kam, sangen die Kinder Hosianna Sohn Davids ... San Juan: Am Anfang war das Wort, und das Wort war Gott, so hohe Worte von Personen, die keine Schriften verstanden.

Er prophezeit sich selbst, wenn auch indirekt und nachträglich:

Der Abt Joahachin Calabrés sagte, er hatte aus Spanien zu kommen, der das Haus auf den Berg Sión wieder zu errichten hatte.

Völlig angstfrei beim Vergleichen.

San Pedro, als er in das Meer sprang, ging auf ihm, weil sein Glaube fest war.

Das wichtigste Bekenntnis in diesem Text ist kristallklar. TEXTOS Y DOCUMENTOS ... Madrid 1984, S. 280:

Ich sage, dass mir für die Durchführung der Unternehmung keine Vernunft genützt hat, noch Mathematik, noch Weltkarten. Es hat sich nur erfüllt, was Isaías sagte.

Was hat der Prophet gesagt? S. Fischer-Fabian (UM GOTT UND GOLD, Lübbe, 1991) ist der einzige unter den zitierten Autoren, der dieses Bekenntnis an seine Leser weiterreicht. Er erspart ihnen dann, selbst zur Bibel zu greifen.

>Die Inseln harren auf mich im Meer von längst her, dass sie deine Kinder von ferne herbringen, samt ihrem Silber und Gold, dem Namen des Herrn deines Gottes<, tönte es aus dem Mund des Jesajas, eines der großen Propheten aus dem Jerusalem des 8. Jahrhunderts vor Christus.

Kolumbus sagt es auch. Bericht an die Krone 1498:

Gott ... sprach sehr deutlich von diesen Ländern durch den Mund von Isaías an vielen Stellen seiner Schriften, versichernd, dass von Spanien aus sein heiliger Name verbreitet werde.

Wie war das noch?

Es war die Wissenschaft, die seinen Karavellen die Richtung wies.

Amerikanisten-Kongresses 1900, offizieller Bericht. Rinaldo Caddeo hält das Treiben der Spanier in der Kolonie für rückständig:

All das steht im schärfsten Gegensatz zu der Art des Kolumbus, eines neuzeitlichen Menschen.

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