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Kolumbus, Kreuzfahrer

DIARIO. 4. November:

Er zeigte Gold und Perlen, und bestimmte alte Männer antworteten, dass es an einem Ort, den sie bohio nannten, unendlich viel gibt.

Las Casas notiert am Rand:

Die yndios müssen gelogen haben.

Kein Gold, keine Gewürze, aber große Völker. 11. November:

Erlauchte Fürsten, sagt hier der Admiral ... ich hoffe auf unseren Herrn, dass Ihre Hoheiten sich dazu entschließen werden, mit viel Eifer so große Völker der Kirche zurück zu geben und sie zu bekehren ...

Soweit zitiert das Salvador de Madariaga. Weg lässt er, wie es weitergeht:

... so wie sie die vernichtet haben (an destruido), die nicht bekennen wollten den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

Tod oder Taufe, die Parole von Bernhard von Clairvaux, beim Aufruf zum zweiten Eroberungsfeldzug nach Palästina im Namen Gottes und des Kreuzes. In dieser Tradition wünscht der Admiral seinen Auftraggebern alles Gute:

Eure Hoheiten ... seien gut empfangen vor dem Ewigen Schöpfer, den ich bitte, ihnen ein langes Leben zu geben und eine große Zunahme der älteren Königreiche und Lehnsherrschaften ... Amen.

1502 schreibt Kolumbus an Papst Alexander VI.:

Diese Unternehmung wurde unternommen mit dem Ziel, dass das, was erlangt wird, aufgewendet wird, um das Heilige Grab der Heiligen Kirche zu überstellen. Nachdem ich dort war und das Land gesehen habe, schrieb ich an den König und die Königin, meine Herren, dass ich nach sieben Jahren bezahlen werde fünfzig Tausend zu Fuß und fünftausend zu Pferd für seine Eroberung, und nach fünf Jahren weitere fünfzig Tausend zu Fuß und fünftausend zu Pferd, das sind hundert Tausend zu Fuß und zehntausend zu Pferd dafür.

Wegbereiter etc.? Seit Jahrhunderten rief die Kirche zur Eroberung von Territorien im Nahen Osten auf. In den einschlägigen Erlassen nannten die Päpste den Zweck der Militärexpeditionen natürlich nicht beim Namen. Die Rede war von Kreuzzügen und der Befreiung Jerusalems. Die Propaganda war das Besondere dieser Feldzüge, die Bekreuzten gingen dann in der Praxis ganz normal vor wie alle Militärs auf der Welt. Ob Kolumbus das ideelle Motiv nur vortäuschte, oder ob er es selbst glaubte, ist zweitrangig. Kreuzfahrer erkennt man an ihrer Rede, also war er einer. Kein Kommentar bei den zitierten Autoren. Auch zur Eintragung vom 12. November nicht:

Eure Hoheiten müssen beschließen, sie zu Christen zu machen, wenn sie jetzt beginnen, wird man in kurzer Zeit vollends eine Vielzahl von Völkern zu unserem Heiligen Glauben bekehrt haben und dabei große Feudalherrschaften und Reichtümer und ihre Ortschaften für Spanien erwerben, denn ohne Zweifel gibt es in diesen Ländern riesige Mengen Goldes.

Immerhin nur eine Teil-Vortäuschung, weil eingeräumt wird, dass bei der globalen Seelenrettung etwas herausspringt. Die bekreuzten Herren, die dem Aufruf des später geheiligten Bernhards von Clairvaux folgten, haben sich unterwegs und in Palästina nicht die Mühe gemacht, irgendjemanden zu bekehren. Wie Kolumbus in las Indias.

Herrenlose Sachen

DIARIO 12. November:

Gestern kam längsseits des Schiffes ein Einbaum mit sechs Jünglingen, und fünf kamen an Bord. Ich befahl sie festzuhalten & nehme sie mit. Danach schickte ich nach einem Haus ... und sie brachten sieben Köpfe (cabeças) Frauen zwischen klein & groß und drei Knaben.

Las Casas am Rand:

Das war nicht das Beste dieser Welt.

Als hätten sie sich abgesprochen, lassen einige Übersetzer ihre Leser nicht wissen, wie der Admiral sprachlich zur Sache geht. Sie stolpern ethisch über das böse Wort cabeças. VOCABULARIO, 1495:

Zum zählen von Sachen, Kopf .

John Boyd Thacher: They brought seven women. BORDBUCH: Sie kehrten in Gesellschaft von sieben teils jungen, teils älteren Frauen und drei Knaben zurück. SCHIFFSTAGEBUCH, Reclam, Leipzig 1980: Meine Leute holten sieben, teils jüngere, teils ältere Frauen. Dagegen Samuel Eliot Morison: They brought seven head of women.. Keiner der zitierten Autoren kommentiert die Kopfzählung, außer Madariaga. Er zitiert die ganze Passage. Warum er das seiner Lichtgestalt antut? Er glaubt, dies sei ein weiterer Beleg für seine These, nach der Kolumbus aus einer konvertierten jüdischen Familie stammt.

Man kann diese Absicht der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen kaum unverhüllter ausdrücken, als mit solchen Worten ... Alles dies ist sehr unchristlich, sowohl in der Form wie im Inhalt. Unser Zartgefühl stößt sich an Ausdrücken wie „Köpfe Frauen" Es klingt, als spräche er von der Kopfzahl einer Viehherde.

13. November. Von Gold auf Kuba ist keine Rede mehr.

Er wollte nach der Insel fahren, die sie Baneque nannten, von der er Nachrichten hatte, soweit er verstand, dass es viel Gold gab.

16. November. Kein Gold, aber ein Wunder.

Weil er an allen Orten, auf allen Inseln und Ländern, die er betrat, immer ein Kreuz errichtete, stieg er in ein Boot und fuhr zur Mündung dieser Häfen, und auf einer Landzunge fand er zwei große Balken, einer größer als der andere und der eine über dem anderen, ein Kreuz, von dem er sagt, ein Zimmermann hätte es nicht besser formen können. Nach dem er das Kreuz angebetet hatte, befahl er, aus denselben Balken ein sehr großes und hohes Kreuz zu machen.
...

Entlang der Küste von Haiti geht es weiter wie gehabt. Es gibt kein Gold, dafür ist die Insel noch schöner als Cuba. Und die Bewohner der Insel? Worte des Admirals, 16. Dezember:

Es sind die besten der Welt und sehr sanft, und ich setzte große Hoffnung auf Unseren Herrn, dass Eure Hoheiten sie zu Christen machen und alle die Euren werden, denn für die Euren halte ich sie.
...

Was der Admiral diesem König nicht sagt, sagt er dann zum x-ten Mal seinen Hoheiten:

Sie führen keine Waffen und sind alle nackt und haben keine Übung mit Waffen und sind sehr feige, so dass Tausend nicht dreien standhalten, und so sind sie gut dafür, sie zu regieren und sie arbeiten und säen zu lassen und alles nötige tun zu lassen, Siedlungen zu bauen, zu lernen in Kleidern zu gehen nach unseren Gebräuchen.

Kreuz und Kanonen

18. Dezember ... Er stellte ein sehr mächtiges Kreuz in der Mitte des Dorfplatzes auf, wobei die yndjos sehr halfen und beteten, wie er sagt, und verehrten es, um Zeichen zu geben, daher hofft der Admiral von Unserem Herrn, dass alle Inseln christlich werden.

Am 25. Dezember bleibt das Hauptschiff in einem Riff hängen, während der Admiral der Nachtruhe pflegt. Die Einheimischen helfen bei der Bergung der Ladung. Las Casas notiert an Rand:

Beachte die Menschlichkeit (humanjdad) der yndjos gegenüber den Tyrannen, die sie ausgerottet (estirpado) haben.

26. Dezember. Der Admiral sieht im Verlust des Schiffes einen Hinweis Gottes und schreitet zu Gründung der ersten Kolonie:

Jetzt habe ich befohlen, einen Turm und eine Festung zu machen, alles sehr gut, und einen großen Graben.

Der König und seine Leute werden zu einer Vorführung eingeladen.

Der Admiral befahl, eine Lombarde und eine Muskete abzufeuern, und den Effekt sehend, den die Kraft hatte und was sie durchdrang, wunderte er sich sehr. Und als es seine Leute sahen, warfen sie sich alle auf die Erde.

Die Eintragung zum 26. Dezember endet:

Der Admiral sagt, er hoffe von Gott, wenn er von Castilla hierher zurückkäme, würde er ein Fass voll Gold vorfinden, das die Zurückgebliebenen eingehandelt hätten, und dass sie die Goldmine und Gewürze gefunden hätten und in so großer Menge, dass die Könige nach drei Jahren unternehmen und sich vorbereiten könnten, um zu gehen und zu erobern das Heilige Grab. Denn, sagt er, ich habe Euren Hoheiten beteuert, dass aller Gewinn aus meiner Unternehmung aufgewendet werden soll für die Eroberung von Hjerusalém.

Die zitierten Biografen verschonen ihre Leser mit dem Kreuzzügler Kolumbus. Gianni Granzotto:

Kolumbus' Modernität hatte die Ketten des Mittelalters gesprengt ...

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