neue bühne an der Johann-Wolfgang- Goethe-Universität Frankfurt e.V 1953 - 1964
11Jahre engagierte Theaterarbeit in der Kälte des Kalten Krieges und der „formierten Gesellschaft"
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10 Jahre neue bühne. Alle Stücke, Fotos, Kritiken, Artikel
Sinnfragen
1963 Brecht: Gegen die Kriege. Aristophanes: Der Frieden.
1961
neue bühne farcen.
das Programmheft


Das Studententheater in Westdeutschland 1946 bis 1963
Am Ende gedachte die ZEIT unerer mit Nachsicht - Artikel am Ende der Seite
Mitwirkende 1961

Jutta Buchholz - Inge Graef - Ursula Jaerisch - Ann Lamche - Gin Mebius - Gabriele Schwarzenstein - Inge Sewig - Anne Ulsamer - Karlheinz Braun - Rolf Dornbacher - Dieter Funk - Pi Gebelein - Walter Gebelein - Fridolin Kaiser - Andreas D. Kappos - Uwe Karsten Koch - Thomas Leithäuser - Jörg Madlener - Peter Milger - Rolf Dieter Nern - Ulrich Popp - Hans Albert Ragotzky - Hans Helge Schneider - Helmut Schott - Niels Sewig


Mitwirkende 1963

Elke Kapping -­ Christa Lindner Annette Louis - Gin Mebius - Anne Milger-Ulsamer - Hildegard Schmidt - Gabriele Schwarzenstein - Ingrid von Stein - Heike Taupadel - Manfred Bayer - Gerhard Brähler - Karlheinz Braun - Meino Büning - Christhart Burgmann - Rolf Dornbacher - Hans Jürgen Eckl - Dieter Fischer -Willi Flues - Pi Gebelein - Walter Gebelein - Klaus Jacob - Fridolin Kaiser - Andreas D. Kappos - Gunthart Lamche - Nils Lindquist - HansLösch - Jörg Madlener - Peter Meinhardt - Peter Milger - Eberhard, Müller - Rüdiger Nenzel - Volker Pilgrim - Hartmut Reinhold - Roland Richter - Hanshelge Schneider - Lothar Schwab - Wolfgang Vogel

Für die Zeit vor 1961 lagen keine Programmhefte vor

10 Jahre - Inszenierungen (27) - Gastspiele (21)

1958 Michel de Ghelderode: Maskenmenschen. Uraufführung

1958 Bertolt Brecht: Antigone Modell 1948. Westdeutsche Uraufführung.
Weltausstellung Brüssel, Berlin, Kaiserslautern, Erlangen, Städtische Bühnen Frankfurt

1959 Günter Grass: Beritten hin und zurück, Uraufführung. Wolfgang Hildesheimer: Pastorale.
Bristol, Erlangen

1959 Alfred Jarry: König Ubü. Eigene Bearbeitung

1960 Vladimir Majakowsky: Mysterium buffo. Deutsche Erstaufführung

1960 Jean-Paul Sartre: Die respektvolle Dirne. Eigene Bearbeitung

1960 Hayneccius: Hans Pfriem

1961 Michel Vinaver: Die Koreaner. Deutsche Erstaufführung

1961 neue bühne farcen. Angelo Beoloco: Des Ruzante Rede. Georges Courteline: Die Bumerangs. Wolfgang Hildesheimer: Die Uhren.
Erlangen, Messina

1962 Nelly Sachs: Eli. Uraufführung.
Erlangen

1962 Bertolt Brecht: Die Ausnahme und die Regel.
Istanbul, Ankara, Ordu, Zagreb

1963 J. M. R. Lenz: Der neue Mednoza. Eigene Bearbeitung

1963 Bertolt Brecht: Lieder, Gedichte: Gegen die Kriege. Aristophanes: Der Frieden.
Erlangen

1664 Schau auf Deutschland, eine zeitkritische Revue
Texte von Hans Magnus Enzensberger, Berthold Brecht, Martin Walser u.a.
Erlangen

Abgesang

Die ZEIT 19.06.1964

Stirbt das Studenten-Theater in der Bundesrepublik? Engagement nur im Parkett?

G. Z., Frankfurt
Es stirbt sich gar nicht so leicht: die "neue bühne", das Studenten-Theater der Johann-Wolf Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main, ist ein eingetragener Verein, dessen Satzungen die Streichung im Vereinsregister beinahe unmöglich machen. Und doch ist die letzte Stunde nahe herangerückt. Beim internationalen Festival der Studentenbühnen in Erlangen wird das Ensemble noch einmal "ganz groß herauskommen"; dann aber muß der Konkurs angemeldet werden. Die letzte bekannte Studentenbühne wird dann in Hamburg um ihre Existenz kämpfen.
Unter Studentenbühnen versteht der Fachmann keine Laienspielgruppen, die dilettantisch das Profitheater nachahmen, sondern Theater mit politischem und gesellschaftlichem Engagement. Wie es in einer Sendung des Hessischen Rundfunks einmal definiert wurde: "Statt Spieltrieb - Engagement, statt Unterhaltung - Wirkung, Konzeption statt Perfektion, kritischer Verstand statt unreflektierter Nachahmung." Wenn man so das Studententheater versteht, dann wird es mit dem Abschluß des Sommersemesters 1964 an den Universitäten in der Bundesrepublik nur noch ein Studententheater geben.
Das Sterben kam nicht über Nacht. Zwar gab die "neue bühne" noch im vergangenen Jahr zum zehnjährigen Jubiläum ein dekoratives Programmheft heraus, in dem die engagierten Studenten "eine Veränderung nach vorne" postulierten, aber damals schon wurde bereits von der "Stagnation des Studententheaters" gesprochen und von der Krise, mit der sich auch die "neue bühne" auseinandersetzen müsse.
Der Spielleiter der Frankfurter "neuen bühne", Karlheinz Braun, diagnostizierte nun nach elf Jahren Erfahrung mit Studentenbühnen das Krankheitsbild: "Die Schwierigkeiten, die sich seit jeher für die Studententheater ergeben, sind nicht so sehr finanzieller Art. Die Misere liegt vielmehr im geistigen Bereich." Das Studium wollten die meisten Studenten heute so schnell wie möglich und ohne große Nebenbelastung hinter sich bringen. "Geld verdienen" sei die Parole, und der Ausbildungsmodus an den Universitäten begünstige diese Vorstellung noch. Genauso wie die politischen Hochschulgruppen ein recht bescheidenes Dasein fristeten, scheuten die Studenten heute das politische Engagement auf der Bühne.
"Schau auf Deutschland" heißt das letzte Stück der Frankfurter. Es ist eine zeitkritische Revue, zusammengestellt aus modernen Theaterstücken und Dokumentationen. Enzensberger, Berthold Brecht und Martin Walser lieferten einen großen Teil der Texte. Bei der Premiere am 11. Juni im Festsaal des Studentenhauses gab es stürmischen Beifall. Aber die Akteure meinen, daß sich die neue Studentengeneration - wenn überhaupt - dann nur im Zuschauerraum engagiert.
Ein Viertel der Schauspieler steht bereits im Berufsleben. Eine der tragenden Rollen in der "Schau auf Deutschland" spielt ein junger Studienrat. Der Regisseur verdient sein Geld in einem Buchverlag. Und immer wieder mußte man die Erfahrung machen, daß Studenten, die bei der "neuen bühne" mitspielen wollten, schon nach kurzer Zeit wieder aufgaben, wenn sie festgestellt hatten, daß es sich hier nicht um "Laienspiel" handelt, sondern um engagiertes Theater.
Der Bühne fehlt jedoch nicht nur die "geistige", sondern auch die materielle Basis. Sie probte auf dem Dachboden des Studentenhauses, und es gelang ihr oft nur mit Mühe, für die Generalprobe die Bühne des Festsaals zu bekommen. Lange Zeit gastierte man in einer Fabrikruine und schließlich in einem Mansardenzimmer, für das monatlich 40 DM Miete bezahlt werden mußte. Die "neue bühne" errang zahlreiche internationale Auszeichnungen - zum Ruhme ihrer Universität. In ihrer Heimatstadt galt sie jedoch offenbar nichts. Die Frankfurter Studentenschauspieler haben resigniert. Sie wollen lieber mit einem Glanzstück abtreten, als Kompromisse machen.