Wie hießen die Schiffe von Kolumbus - Namen der Schiffe - nicht Santa Maria Kolumbus Schiffe Namen - What were the names of Columbus' ships - Columbus-ships-names
Santa Maria Schiff - Nachbau
Das Schiff hieß nicht Santa Maria

Der Bericht, den Kolumbus über die erste Überfahrt schrieb, steckt voller Merkwürdigkeiten. Demnach begeht er einen untauglichen Betrugsversuch und läßt nicht erkennen, dass er nach einem Plan vorgeht. Außerdem bezeugt sein DIARIO, dass das Hauptschiff nicht Santa Maria hieß.
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The name of the ship was not Santa Maria
Die sogenannte Santa Maria - Nachbau. Kolumbus segelte mit einem Schiff los, das als Handelsschiff la Gallega hieß - Frau aus Galizien
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Peter Milger - Auszug aus Der Fall Kolumbus

Segeln ohne Wissenschaft - betrügerische Buchführung

Ein Bericht über die erste Reise in der Handschrift von Kolumbus liegt nicht vor. Als wichtigste Quelle gilt das sogenannte DIARIO, zusammengestellt von Bartolomé de Las Casas, einem Freund der Familie, Bischof von Chiapas und späterer Anwalt der Indianer (1474-1566). Er verfügte über einen Kopie eines Berichtes, den Kolumbus für die spanische Krone verfasst hatte. Den größten Teil des Textes fasste Las Casas zusammen. Einige Passagen schreibt Las Casas wörtlich ab, so die Eintragungen vom 11. bis zum 25. Oktober. Die Passage beginnt so: Das sind die Worte des Admirals: " Ich habe eine große Freundschaft vorgefunden ...

Die ersten Eintragungen sind durchweg kompiliert:

Samstag, 8. September.
(1492). In der dritten Nachstunde begann der Nordost zu wehen und er schlug seinen Weg und Kurs nach Westen ein.

Wohin auch sonst. Der Auftrag implizierte, nach Brasil, Antila oder den Inseln der sieben Städte Ausschau zu halten. Aus alten Erzählungen glaubte man zu wissen, dass sie irgendwo im Atlantik lagen. Die Längen und Breiten waren nicht bekannt, weil es sie nicht gab. Also konnte jeder westliche Kurs zum Erfolg führen. Das gilt auch, wenn man Asien erreichen will, das ist so groß, das kann man nicht verfehlen. Kurs West entlang des 28. Breitengrades war bei den vorherrschen Windrichtungen die einfachste Lösung. Und richtig, das DIARIO meldet bis kurz vor der Landsichtung durchweg: Er segelte seinen Weg nach Westen. Was Kolumbus sich dabei dachte, meldet es nicht. Anmerkungen kosmografischer Art? Ebenfalls Fehlanzeige. Dieser Umstand wird von den zitierten Autoren nicht kommentiert.

Doppelte Buchführung - Notate bar jeder Logik

Messverfahren

Die geografische Breite wurde astronomisch an Hand des Polarsterns oder der Mittagshöhe Sonne ermittelt. Deutet man mit einem Arm auf den Horizont, mit dem anderen auf das Gestirn, bilden beide einen Winkel. Diesen Winkel kann man messen, und schon hat man die geografische Breite in Grad. Die Piloten benutzen zur Anpeilung und Winkelmessung Quadranten. Später Näheres dazu. Um die Längen zu bestimmen, braucht man sehr genau gehende Uhren, um die Ortszeit des Ausgangspunkts quasi mitzunehmen. Solche Uhren gab es noch nicht. Die Wegpunkte mussten daher gekoppelt werden. Man schätzte die Geschwindigkeit (Bugwelle, Vorbeiziehen der Schaumkronen, Windstärke, Segelstand), errechnete daraus die zurückgelegte Strecke und trug sie in Kursrichtung auf einer Karte ein. Im einfachsten Fall, bei konstantem Kurs, ergibt sich eine Grade.

Sonntag, 9. September. Er ging an diesem Tag 15 leguas und entschloss sich, weniger zu zählen als er ging, damit wenn der Weg lang werde, die Leute sich nicht fürchten und verzweifeln. In der Nacht ging er hundert und zwanzig römische Meilen zu zehn römischen Meilen die Stunde, das sind 30 leguas.

Natürlich wurde auf jedem Schiff gekoppelt. Jeder Kapitän musste ja damit rechnen, vom Verband getrennt zu werden. Die Zwischenwerte wurden auf allen Schiffen bei jedem Wachwechsel festgehalten und von den Piloten eingetragen. Schon die Idee, allein nebenher vor sich hinzukoppeln, ist schlafraubend.

Montag, 10. September. Tag und Nacht ging er sechzig leguas zu zehn römischen Meilen pro Stunde, das sind zwei und ein halb leguas. Aber er zählte nur vierzig und acht leguas, um den Leuten keine Angst zu machen, wenn der Weg zu lang würde.

Und so geht es täglich weiter, Meilen in echt, Meilen für die Leute. Nur um sie zu beruhigen? Salvador de Madariaga:

Der wirkliche Grund für die doppelte Berechnung der Entfernung in Seemeilen war sein Wunsch, den Schlüssel zum Geheimnis seiner Entdeckung ausschließlich für sich behalten. Er wollte über diese hochwichtigen Zahlenangaben von vorneherein Zweifel und Verwirrung sähen. Damit sicherte er sich dann seine Stellung als unentbehrlicher Führer zum unbekannten Cipango und als dessen grimmiger Wächter.

Geheimhaltung? Der Admiral notiert doch beide Werte und den richtigen Kurs. Irritiert hat die doppelte Buchführung vor allem die Biografen. Gianni Granzotto:

Es war eine kleine Mogelei, die keinen besondern Sinn hatte, sondern höchstens für Kolumbus.

John Boyd Thacher in seinem Mammutwerk CHRISTOPHER COLUMBUS, New York, 1902:

Zu dieser Zeit gab sich Columbus nicht als Wissenschaftler, der der Welt genaues Wissen gab.

Zvi Dor-Ner in KOLUMBUS, vgs, 1991:

Die Gissung war Kolumbus' Stärke. Sie brachte ihn über den Atlantik und wieder zurück ...Uns ist etwas unklar, wie er seine privaten Aufzeichnungen vor den anderen Schiffsführern geheim halten konnte und inwieweit er seine Offiziere ins Vertrauen zog.

Betrug ohne erkennbaren Sinn

In der Eintragung zum 19. September steht klipp, warum der Versuch völlig untauglich war.

Hier ermittelten die Piloten ihre Punkte (Wegpunkte). Der von der Niña fand sich 440 leguas von den Canarias, der von der Pinta 420, der mit dem der Admiral ging, genau 400.

Addition der ehrlichen leguas des Admirals: 403. Kommt dem Admiral nun der Gedanke, vergebliche Liebesmüh, man kann die Leute nicht hintergehen? Offenbar nicht, es geht weiter mit der doppelten Buchführung. Unerklärlich? John Dyson in COLUMBUS, 1991:

Die falschen trug er in das offizielle Logbuch ein, die richtigen hingegen bewahrte er in seiner Hosentasche auf, um sich ihrer bei einem drohenden Überfall der Portugiesen leicht endledigen zu können. Nachdem die Reise erfolgreich abgeschlossen war, konnte er die wahren Zahlen neben den falschen in den Bericht eintragen und dies damit erklären, die letzteren hätten dazu gedient, die Befürchtungen seiner Untergeben zu zerstreuen.

S. E. Morison in ADMIRAL OF THE OCEAN SEA:

Die Strategie war angemessen und ethisch, wenn man betrachtet, mit welcher Sorte Leute er es zu tun hatte.

Er meint, Mariners seien nun Mal extrem abergläubisch. Und weiter:

Der amüsante Punkt ist, dass Columbus Geschwindigkeit und Entfernung in seinem Kopf beinahe um den selben Betrag überschätzte, als er ihn für die unwissenden Leute unterschätzte. Seine „gefälschte" Berechnung kam der wahren näher als seine „wahre."

S. E. Morison hat auf der Route der Armada 1939-1940 den Atlantik überquert. Er bewundert die Unternehmung, bei den Details bleibt er Fachmann. Sein Kommentar zum nächsten Datenabgleich der Piloten am 1. Oktober:

Hier wurde falsch gerechnet, wenn Las Casas nicht einige Zahlen weggelassen hat ... Die eigenen Zahlen von Columbus addieren sich zu 633 leagues von Ferro ... Nach Leutnants McElroy's Berechnung waren sie 575 leagues von Ferro gesegelt, und der Pilot hatte recht.

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Von wegen Santa Maria

Zum ersten Mal ist am 19. September von Hauptschiff die Rede, weit draußen im Atlantik. Im INSEL TASCHENBUCH Nr. 553. (BORDBUCH) heißt es:

Gegen zehn Uhr morgens ließ sich ein Pelikan an Bord der >Santa Maria< nieder.

Im DIARIO steht aber nur:

Vino a la nao vn alcatraz ...

Das Hauptschiff heißt im DIARIO immer nur nao, Schiff, und zwar sowohl in den kompilierten Passagen als auch in den wörtlich zitierten. Auch bei der letzen Gelegenheit, seinen Namen nennen, im Eintrag zum 25. Dezember. Alle schlafen an Bord, einsam wacht ein Schiffsjunge am Ruder. Da hebt die Strömung das Schiff auf eine Untiefe.

les aguas que corrian llevaron la nao sobre vno aquellos bancos

Auch Fernando Colon kompilierte für sein Buch über seinen Vater (HISTORIE) das DIARIO. Auch in seiner Version wird das Schiff nicht Santa Maria genannt. Der wichtigste Zeuge bezeugt diesen Namen also definitv nicht. Auch die mit Kolumbus befreundeten Historiker nicht. Chronist Pietro Martire: Fehlanzeige, kein Name. Keine Santa Maria bei Bernáldez, der etwa notiert::

... perdieron el navio mayor ... verloren das Hauptschiff.

Der Historiker Chronist Oviedo kannte Kolumbus nicht, hatte aber um 1530 Zugang zu den Archiven der spanischen Krone. Er ist der einzige, der sich eindeutig auf einen Namen festlegt. Es handelt sich wahrscheinlich um den Namen, unter dem das Schiff als Handelsschiff eingtragen war, bevor es für die Expedition gechartert wurde. Er schreibt:

Das eine und größere von ihnen wurde Gallega genannt.

Und bei der folgenden Aufzählung heißen die Schiffe Gallega, Pinta, Niña. Bis zum bitteren Ende:

Das Kapitänsschiff namens Gallega lief auf Grund.

Bei einem Prozess (PLEITOS DE COLON) haben Teilnehmer über den Verlauf der Expedition Aussagen gemacht. Laut dem Protokoll nannten sie die Schiffe Niña Pinta, nao . Kurz: In den Handschriften oder Drucken wird bis 1571 das große Schiff nicht ein einziges Mal Santa Maria genannt. In diesem Jahr erscheint in Italien Fernando Colóns HISTORIE auf Itelienisch. Darin heißt es am Anfang der Reisebeschreibung:

Das Hauptschiff, auf das er stieg, hieß Santa Maria.

Santa Maria
steht nur an dieser einen Stelle. Im weiteren Text wird das Hauptschiff durchweg nave (für nao) genannt, also Schiff. Las Casas hat aus dem Original-Manuskript diese Passage in seine HISTORIA übernommen:

... auf dem dritten, welches das etwas größere von allen war, wollte er fahren, und so war es das Kapitänschiff.

Einzige Erklärung: Der Übersetzer Alfonso Ulloa hat den Namen am Anfang eingefügt. Wie kam er darauf? Es gibt nur einen Hinweis. Im Kapitel 45 (zweite Reise) seiner Vorlage las er:

Der Admiral segelte zu einer anderen Insel, die er Mariagalante nannte, nach seinem Kapitänsschiff.

Das Schiff wurde also ziemlich spät getauft, mit einem einzigen Satz. Das hat genügt. Der süßeste Name der Christenheit war hochwillkommen, um das profane Erscheinungsbild der Unternehmung aufzupolieren. Sie sind untrennbar und werden es vermutlich bleiben, Kolumbus und seine Santa Maria, auch in zukünftigen Nachschlagewerken, Schulbüchern und Biografien. Keiner der zitierten Autoren macht auf das Problem aufmerksam, alle lassen Kolumbus unverdrossen auf einer Santa Maria über den Ozean schiffen. Korrekte Eintragung: Laut Oviedo, Historiker etc., wurde das Hauptschiff Gallega genannt, in keiner zeitnahen Quelle heißt es Santa Maria.

Quellen

Cristóbal Colón, LIBRO DE LA PRIMERA NAVEGACION, Manuel Alavar, 1984. (Mit Randbemerkungen von Las Casas)

Gonzales Fernández de Oviedo, HISTORIA GENERAL Y NATURAL DE LAS INDIAS, Edición de Juan Perez de Tudela Bueso, Madrid, 1959.

HISTORIA DE LAS INDIAS de FRAY BARTOLOME DE LAS CASAS, Juan Perez de Tudela, Madrid, 1957.

LE HISTORIE DELLA VITA E DIE FATTI DI CHRISTOFORO COLOMBO, per D. Fernando Colombo suo figlio, a cura di Rinaldo Caddeo, Milano.

SELECT DOCUMENTS ILLUSTRATING THE FOUR VOYAGES OF COLUMBUS, translated and edited by Cecil Jane, London 1930.
(Andrés Bernáldez).

DE LOS PLEITOS DE COLÓN, Cesáreo Fernández Duro, Madrid, 1892.

Peter Martyr von Anghiera, ACHT DECADEN ÜBER DIE NEUE WELT, Hans Klingelhöfer, Übers., Darmstadt 1972.



Siehe auch