Links zu den Hintergründen
Helga Einsele neben Fritz Bauer bei der Enthül-lung des
Mahn-mals
im Jahr
1962
Peter Milger
Schlussstrich

Die Nicht-Anerkennung des NS-Regimes als Unrechtstaat - Unter Adolf war nicht alles schlecht - NS-Täter nicht belangt - Generalstaatsanwalt Fritz Bauer angefeindet
Medienberichte über die Einweihung
Prolog zu einem Dokumentarspiel
Der Generalstaatsanwalt übergab mir 1962 einige Ablichtungen von amtlichen Schreiben, die akribsich von den Hinrichtungen handeln.. Er meinte, das solle man publizieren.. Dem konnte ich 1967 in Form eines Hörspiels nachgekommen.
Mehr als 250 Menschen ordentlich hingerichtet - Dokumente & Dialoge
Meine Haupseite
Das Mahnmal vor der JVA-Preungesheim von 1962 in Frankfurt war ein BRD-typischer Kompromiss im Kalten Krieg
Die amtliche Bezeichnung : "Mahnmal des Landes Hessen zur Erinnerung an die Widerstandskämpfer und Opfer der Jahre 1933-1945," wurde in der Anlage nicht angebracht.
An der Mauer der Hinweis 1934 -1945 und ein Gedicht von Ricarda Huch: Ihr Glorreichen ... Die ihr das Leben gabt für des Volkes Freiheit ...
Torso ohne Inschrift. Opfer und Täter beim Namen zu nenen. galt a im konservativen Lager als Nestbeschmutzung oder gar als Landesverrat
Deutlich ist nur der Mangel an Deutlichkeit. Die verklärenden und mystifizierenden Verse bedürfen der Intepretation, warum der "Glorreichen" in der Abgeschiedenheit hier vor der Gefängnismauer gedacht werden soll, bleibt ein Rätsel. Die Stätte wurde laut Generalstaatsanwalt Fritz Bauer nur gegen erhebliche Widerstände durchgesetzt. So dokumentiert sie den Unwillen der meisten Deutschen, sich mit den von Deutschen unter dem Regime der Nationalsozialisten begangenen Verbrechen auseinander zusetzten.
Das Institut für Stadtgeschichte hält fest:

Am 20. Juli 1962 enthüllte General-staatsanwalt Fritz Bauer eine Plastik des Bildhauers Karl Hartung und die in die Gefängnismauern eingelassene Inschrift eines Gedichts von Ricarda Huch. Text der Tafel

1933-1945
IHR DIE DAS LEBEN GABT FÜR DES VOLKES FREIHEIT UND EHRE
NICHT ERHOB SICH DAS VOLK EUCH FREIHEIT UND LEBEN ZU RETTEN.
WIR ABER WOLLEN MALE RICHTEN EUCH ZUM GEDÄCHTNIS.
DORT IHR GLORREICHEN WOLLEN WIR EUER GEDENKEN UND SCHWÖREN
TAPFER WIE IHR ZU SEIN DEM RECHT UND DER FREIHEIT ZU DIENEN
NIEMALS TREULOS UND FEIGE DEN GOTT IN DER BRUST ZU VERLEUGNEN
DER UNS ZU LIEBEN TREIBT UND IM KAMPF MIT DEM BÖSEN ZU STERBEN.
RICARDA HUCH

Die verklärenden Verse waren bis 1994 die einzige schriftliche Auskunft in der Anlage. Der Besucher fragte also vergeblich: Warum wird hier ermahnt? Wer waren die Glorreichen, wer hat sie umgebracht?

Der Klartext ergäbe sich aus den im Gefängnis gefundenen Akten. Etwa:
Mehr als 250 Menschen wurden hier aus politischen Gründen in den Jahren 1934-1945 hingerichtet. Als Volksschädlinge, wegen Fahnenflucht, Wehrkraftzersetzung, Rassenschande, Plündern, Abhören von Feindsendern, Beherbergung von Kriegsgefangenen und Juden, Sabotage, Landesverrat, Vorbereitung zum Hochverrat.
Fast alle Verantwortlichen lebten 1962 noch in Amt und Würden und einflussreiche Kreise sorgten dafür, dass sie weder als Täter belangt oder auch nur als solche bezeichnet wurden. Fritz Bauer forderte vegeblich, gegen sie vorzugehen.
Das konservative Lager hintertrieb die Aufarbeitung der unter dem NS-Regime begangenen Verbrechen - die Täter wurden wieder gebraucht. In der Wirtschaft, zur Wiederbewaffnung, zur Verfolgung von Kommunisten
Die Schutzbehauptung: Man habe Befehlen gehorchen müssen und der Unrechtscharakter des NS-Regimes sei nicht erkennbar gewesen - auch nicht für Juristen. So dreist die Lüge war, sie wirkte weiter, nur eine kleine Zahl von Justizopfern wurde rehabilitiert. Eine Wende zeichnete sich erst nach der "Wende" 1990 ab. Das DDR-Regime hatte auf Flüchtlinge an der Grenze schießen lassen. Vor Gericht hielt man den Tätern nun vor, sie hätten die Unrechtsmässigkeit des Schießbefehls erkennen müssen. Damit war die Schutzbehauptung bezüglich des NS-Regims hinfällg. Das Umdenken erreichte auch die sogenannte Öffentliche Meinung ... und wurde in Preungesheim sichtbar.


Die Wende in den Medien. DER SPIEGEL am 24.09.1990
Die Wende in der Anlage - Erweitert 1994 erzählt sie nun im Klartext
Sondergerichte - Wie Ungeziefer

Fast 10 000 Menschen ließ das NS-Regime wegen geringer Delikte hinrichten - mit Hilfe willfähriger Juristen an Sondergerichten. Die Richter kamen ungeschoren davon ...
Mehr als 30 Jahre nach der Einweihung , am 17.09.1994, titelt auch die FAZ mit deutlichen Worten:

Gedenken an Willkür im Namen des Volkes / Neugestaltetes Mahnmal an der Justizvollzugsanstalt Preungesheim / Opfer der NS-Justiz

Und auf Tafeln entlang des Pfades war nun zu lesen, was die Opferverbände und Fritz Bauer 1962 noch nicht durchsetzen konnten: Tatvorwürfe und Namen der Opfer.

Gedenkstätte Preungesheim. Die Stätte erinnert an die Opfer des faschistischen Terrors und an die Widerstandskämpfer, die in der Zeit von 1934 - 1945 in dieser Strafvollzugsanstalt hingerichtet wurden. Wir ehren ihr Andenken. Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg.
Die Strafvollzugsanstalt Frankfurt-Preungesheim war in den Jahren der faschistischen Diktatur eine Hinrichtungsstätte. Hier wurden Frauen und Männer aus Deutschland und aus den überfallenen Nachbarländern ermordet. Unter den Opfern des faschistischen Terrors waren viele Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer. Die genaue Zahl der aus politischen Gründen hingerichteten lässt sich nicht mehr feststellen. Viele Unterlagen wurden beim Einmarsch der Alliierten Truppen verbrannt. Die Gräber der Ermordeten sind schwer aufzufinden. Einige sind auf dem Hauptfriedhof Frankfurt beigesetzt. Viele Naziopfer wurden in die anatomischen Institute der Universitäten Frankfurt, Gießen und Marburg gebracht. Unzähligen Antifaschisten wurde die letzte Ehre verweigert. Ihre Gräber blieben unbekannt. Wir kennen die Namen von mehr als 250 Menschen, die aus politischen Gründen in den Jahren 1934-1945 in Preungesheim hingerichtet wurden. Als Hinrichtungsgründe dienten "Fahnenflucht", "Wehrkraftzersetzung", der Vorwurf "Volksschädling" zu sein. "Rassenschande", Abhören ausländischer Sender. Hilfe für Kriegsgefangene und Juden, "Sabotage", "Landesverrat", "Vorbereitung zum Hochverrat". Für sie und die Vielen, deren Namen wir nicht kennen, haben wir hier 100 Frauen und Männer, 36 Deutsche und 64 Menschen aus den besetzten Ländern die in Preungesheim ermordet wurden, aufgezählt.

WER ABER VOR DER VERGANGENHEIT DIE AUGEN VERSCHLIESST, WIRD BLIND FÜR DIE GEGENWART. WER SICH DER UNMENSCHLICH-KEIT NICHT ERINNERN WILL, DER WIRD WIEDER ANFÄLLIG FÜR NEUE ANSTECKUNGSGEFAHREN.

Richard von Weizsäcker zum 8. Mai 1985


Bis zur vollständigen Rehabilitierung der Opfer der NS-Justiz benötigte der Gesetzgeber weitere 8 Jahre
Wikipedia: Ein Bundesgesetz vom 28. Mai 1998 hob einen Teil der Unrechtsurteile pauschal auf und ermöglichte es, bei der Aufhebung weiterer NS-Unrechtsurteile geringfügige Straftatbestände unbeachtet zu lassen. Mit dem Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege vom 17. Mai 2002 wurden bisher ausgeklammerte Personengruppen, wie Homosexuelle, Deserteure, Wehrdienstverweigerer, Wehrkraftzersetzer und andere Opfer der NS-Militärjustiz, pauschal rehabilitiert.
Liste mit Namen und Herkunftsland der in Preungesheim emordeteten Menschen

ARCHIPOWA Valentina 09.09.1943 24 Jahre, Sowjetunion
AUERBACH Theodor 11.01.1943 38 Jahre, Deutschland
BAMBERGER Johann 28.07.1942 23 Jahre, Deutschland
BECZELIS Edward 12.12.1944 23 Jahre, Sowjetunion
BENES Josef 10.02.1943 37 Jahre, Tschechoslowakei
BEZDEK Jan 18.03.1943 35 Jahre, Tschechoslowakei
BÖHMER Helmut 08.03.1944 28 Jahre, Deutschland
BOHONEK Josef 22.06.1943 33 Jahre, Tschechoslowakei
BOUR Marcel 11.07.1944 21 Jahre, Luxemburg
BREITINGER Anton 17.09.1942 44 Jahre, Deutschland
CERNY Wenzel 18.03.1943 40 Jahre, Tschechoslowakei
CHURY Jan 04.05.1943 33 Jahre, Tschechoslowakei
CLEMENT Jean 30.05.1944 21 Jahre, Luxemburg
CLEMENT Josef 30.05.1944 23 Jahre, Luxemburg
DOKOUNIL Otokar 19.02.1943 48 Jahre, Tschechoslowakei, geb. 21.01 1895 in Warschau *
DOLDE Heinrich 28.03.1944 47 Jahre, Deutschland
DOMBRET Raymond 12.12.1944 55 Jahre, Belgien
DRAUTH Arthur 11.07.1944 24 Jahre, Luxemburg
DÜLLGEN Hermann 27.10.1944 44 Jahre, Deutschland
EGE Albrecht 23.01.1943 64 Jahre, Deutschland
EISCHEN Pierre 11.07.1944 21 Jahre, Luxemburg
ELSNER Ladislaw 18.03.1943 25 Jahre, Tschechoslowakei
FANDEL Fernand 23.05.1944 19 Jahre, Luxemburg
FICTUM Oldrich 18.03.1943 35 Jahre, Tschechoslowakei
FRÖBA Georg 27.10.1944 47 Jahre, Deutschland
GERMANN Edmund 17.09.1942 41 Jahre, Deutschland
GOLDA Jaroslaw 19.02.1943 49 Jahre, Tschechoslowakei
GÖTTIG Karl 19.08.1942 28 Jahre, Deutschland
HAJEK Eugen 04.05.1943 30 Jahre, Tschechoslowakei
HALICKI August 08.07.1942 27 Jahre, Polen
HARING Friedrich 07.04.1943 25 Jahre, Österreich
HÄUSLEIN Otto 17.09.1942 31 Jahre, Deutschland
HOEK Jan van der 12.12.1944 40 Jahre, Frankreich
HOEVEL Andreas 28.08.1942 42 Jahre, Deutschland
HOEVEL Anneliese 28.08.1942 43 Jahre, Deutschland
HOLDER Marcel van 30.01.1945 23 Jahre, Belgien
HOLLÄNDER Werner 30.05.1944 29 Jahre, Ungarn
HUGO Wilhelm 17.09.1942 36 Jahre, Deutschland
JUMEL Marceau 07.01.1943 33 Jahre, Frankreich
JUNGBLUT Pierre 30.05.1944 21 Jahre, Luxemburg
JUSZCZYKOWSKA Karoline 09.01.1945 46 Jahre, Polen
KANNANECK Paul 11.01.1943 36 Jahre, Deutschland
KEMPTNER Karl 27.10.1944 46 Jahre, Deutschland
KLOBAS Josef 10.02.1943 29 Jahre, Tschechoslowakei
KLÖPPINGER Wilhelm 17.09.1942 32 Jahre, Deutschland
KOZNAREK Zdenek 18.03.1943 32 Jahre, Tschechoslowakei
KROLL Paul 29.08.1944 60 Jahre, Deutschland
KRSKA Josef 10.02.1943 38 Jahre, Tschechoslowakei
KUKULA Kasimir 13.03.1943 34 Jahre, Polen
KULATY Frantisek 18.03.1943 48 Jahre, Tschechoslowakei
KURMANOWSKI Czeslaw 13.06.1942 27 Jahre, Polen
KWIECINSKI Boleslaw 01.08.1942 20 Jahre, Polen
LEIS Adam 17.09.1942 50 Jahre, Deutschland
MAAS Heinrich 26.06.1942 38 Jahre, Deutschland
MÄHRLEIN Max 26.09.1944 48 Jahre, Deutschland
MALTER Rudolf 21.11.1944 48 Jahre, Deutschland
MANN Philipp 21.11.1944 37 Jahre, Deutschland
MARTINEK Jan 10.02.1943 41 Jahre, Tschechoslowakei
MATUSKA Milan 19.02.1943 44 Jahre, Tschechoslowakei, geb. 06.10.1898 in Blanz *
MICHEL Georges 29.08.1944 19 Jahre, Luxemburg
NAVRATIL Prahoslav 03.03.1943 45 Jahre, Tschechoslowakei
NEES Julius 17.09.1942 43 Jahre, Deutschland
NESTER Jakob 06.03.1945 39 Jahre, Deutschland
NOHAVICA Frantisek 19.02.1943 44 Jahre, Tschechoslowakei, geb. 19.10.1898 in Saschau *
NOWAK Mieczyslaw 11.01.1943 23 Jahre, Polen
OFFHAUS Ernst 25.08.1943 52 Jahre, Deutschland
PETERCA Josef 10.02.1943 23 Jahre, Tschechoslowakei
PODSENIK Vladislaw 03.03.1943 44 Jahre, Tschechoslowakei
POMP Josef 19.02.1943 54 Jahre, Tschechoslowakei, geb.25.10 1898 in Troppau *
PROSEK Milos 03.03.1943 29 Jahre, Tschechoslowakei
PRYBIL Stanislav 18.03.1943 35 Jahre, Tschechoslowakei
PSIKAL Josef 10.02.1943 40 Jahre, Tschechoslowakei
REITINGER Josef 10.11.1934 21 Jahre, Deutschland
ROST Martin 28.02.1942 22 Jahre, Deutschland
RYSANEK Frantisek 10.02.1943 43 Jahre, Tschechoslowakei
SARNICKI Michael 23.01.1943 21 Jahre, Polen
SARZYNSKI Edward 01.08.1942 20 Jahre, Polen
SCHÄFER Heinrich 06.06.1944 42 Jahre, Deutschland
SCHMIDTSEIFER Ernst 21.11.1944 26 Jahre, Deutschland
SCHROEDER Jean 11.07.1944 23 Jahre, Luxemburg
SCHÜTTE Willi 21.11.1944 49 Jahre, Deutschland
SESSELMANN Robert 04.06.1943 22 Jahre, Deutschland
SMILDE Louwe 05.02.1942 19 Jahre, Niederlande
SMUTNY Anton 18.03.1943 44 Jahre, Tschechoslowakei
STOFFEL Denis 23.05.1944 22 Jahre, Luxemburg
STRNAD Antonin 10.02.1943 35 Jahre, Tschechoslowakei
STÜCK Heinrich 01.08.1942 55 Jahre, Deutschland
SVOBODA Karel 03.03.1943 29 Jahre, Tschechoslowakei
TABERSKI Karl 26.07.1943 31 Jahre, Polen
TOMASEK Jan 04.05.1943 53 Jahre, Tschechoslowakei
TRTILEK Arnost 03.03.1943 44 Jahre, Tschechoslowakei
VACH Frantisek 10.02.1943 39 Jahre, Tschechoslowakei
VLK Rudolf 18.03.1943 35 Jahre, Tschechoslowakei
VOLZ Johannes 23.05.1944 32 Jahre, Deutschland *+
WEHR Francois 23.05.1944 21 Jahre, Luxemburg
WILKA Oldrich 18.03.1943 44 Jahre, Tschechoslowakei
WILL Heinrich 19.02.1943 47 Jahre, Deutschland, geb. 27.08.1895 in Treis ***
WOBEDO Georges 30.05.1944 23 Jahre, Frankreich
ZAORAL Metodej 19.02.1943 49 Jahre, Tschechoslowakei, geb. 04.07 in Orlewitz *
ZIMMERMANN Theo 11.01.1944 23 Jahre, Deutschland

Wegen:

* „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens"
** „Vorbereitung zum Hochverrat u.a."
*** „landesverräterischer Feindbegünstigung und Vertbrechen nach § 1 über außerordentliche
Rundfunkmaßahmen"