Der Kreuzzug gegen die Albigenser Albigenserkreuzzug
Chronik Albingenserkreuzzug (G.de Tudèle)
Chanson de la croisade Albigeoise (Albingenserkreuzzug) des provenzialischen Poeten
Wilhelm von Tudèle
Peter Milger - aus DIE KREUZZÜGE

Der Kreuzzug gegen die Katharer

(Fortsetzung)

DER KREUZZUG BEGINNT

Trotz der Unterwerfung des Grafen Raimund VI. wird der Kreuzzug nicht
abgeblasen. Er richtet sich nunmehr gegen die Besitzungen Trencavels, des Vizegrafen von Carcassonne und Béziers. Raimund VI. hat inzwischen selbst das Kreuz genommen und marschiert gegen seinen eigenen Neffen. Das Kreuzzugsheer sammelt sich im Juni in Lyon. An hohen Herren zählt Peter von Vaux-de-Cernay auf: Die Bischöfe von Sens, Autun, Clermont und Nevers, den Herzog von Burgund, die Grafen von Nevers, Saint Pol, Montfort, und Bar-sur-Seine. Zur Gefolgschaft der geistlichen und weltlichen Herren stoßen Tausende von Bewaffneten aus ganz Europa. Die Kreuzzugsprivilegien hatten gewirkt. Wer das Kreuz nahm, dem wurden die Schulden gestundet und kirchliche Bußstrafen erlassen. Die Häretiker hatten ihre Besitzrechte verloren, also war Beute zu erwarten. Der Sündenerlass war jedem zugesagt, der sich vierzig Tage lang am Kreuzzug beteiligte. Der Chronist Wilhelm von Tudèle berichtet von einer Abmachung der Kreuzfahrer:

Die Barone Frankreichs und aus der Umgebung von Paris, die Kleriker und Laien, die Fürsten und Marquis, vereinbarten unter sich: Jeder befestigte Platz, vor dem die Armee erscheint und der sich nicht ergibt, soll im Sturm genommen werden, und die Bewohner sollen über die Klinge springen.

DAS MASSAKER VON BÉZIERS

Am 22. Juli 1209 steht das Heer vor Béziers. Neben den hohen und niedrigen Klerikern, adligen Rittern, bezahlten und unbezahlten Söldnern haben sich auch verarmte Bauern und Kriminelle eingefunden. Peter von Vaux-deCernay sieht die Verbrecher nur im Lager seiner Feinde:

Béziers war eine bewundernswerte Stadt, die aber ganz und gar vom Gift der Häresie verseucht war. Ihre Einwohner waren nicht nur Häretiker, sondern in höchstem Maße Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, Schurken, von allen Sünden voll... Ein Beispiel ihrer Grausamkeit: Eines Nachts, beim Morgengrauen, begab sich ein Pfarrer dieser Stadt in die Kirche, um die Messe zu zelebrieren. In seinen Händen trug er einen Kelch. Einige Bewohner Béziers überfielen den Priester aus dem Hinterhalt, schlugen ihn mit äußerster Heftigkeit und verletzten ihn schwer, indem sie ihm den Arm brachen. Sodann bemächtigten sie sich des Kelches und ließen darin Wasser ab, unter Missachtung des Leibes und des Blutes Christi.

Angesichts des massiven Aufgebots hatte der Vizegraf Trencavel mit einigen Juden und Katharern die Stadt verlassen. Peter von VauxdeCernay schildert den weiteren Ablauf der Ereignisse:

Als die Unseren vor Béziers angekommen waren, entsandten sie in diese Stadt den Bischof derselben, Meister Rainald von Montpellier, der ... ihnen entgegengekommen war. Die Unseren erklärten: >Wir sind gekommen, die Häretiker zu verjagen. Wir fordern die katholischen Einwohner, so es welche gibt, auf, uns die Häretiker auszuliefern, deren Namen der ehrwürdige Bischof nennen wird, denn er kennt sie gut und hat sie namentlich verzeichnet. Ist dies nicht möglich, so sollen die Katholiken sich aus der Stadt begeben und die Häretiker hinter sich lassen, damit sie deren Schicksal nicht teilen und nicht mit ihnen sterben.< Nachdem der Bischof von Béziers als Sprecher der Kreuzritter diese Botschaft an die Bewohner überbracht hatte, verwarfen jene diese Bedingungen, lehnten sich gegen Gott auf, schlossen ein Bündnis mit dem Tod und zogen es vor, lieber als Häretiker zu sterben, denn als Christen zu leben.

Die kirchentreuen Bewohner von Béziers wollten wohl auf jeden Fall eine Besetzung ihrer Stadt vermeiden. Bei der Zusammensetzung des Kreuzheeres mussten sie mit Plünderungen rechnen. Die Stadt war befestigt und mit Vorräten versehen. Die Kreuzfahrer hatten mehr als zehntausend Menschen zu versorgen. Nach vierzig Tagen war die Auflösung des Kreuzheeres zu erwarten, weil dann die Sündenvergebung eintrat. Es gab also Gründe, das Angebot der Kreuzfahrer abzulehnen. Warum einige Bewohner von Béziers einen Ausfall wagten, bleibt allerdings unerfindlich. Peter von Vaux-de-Cernay:

Einige wagten einen Ausbruch und beschossen die Unseren mit Pfeilen, bevor noch diese den geringsten Angriff unternommen hatten. Empört liefen die Trossknechte des Heeres, die man in der Sprache des gemeinen Volkes >ribauds< nennt, zu den Stadtmauern. Ohne Warnung und ohne vorherige Rücksprache mit den Adligen des Heeres nahmen sie (bewundernswerte Sache) die Stadt im Nu ein. Was soll ich hinzufügen? Sobald sie in die Stadt gedrungen waren, metzelten sie fast die gesamte Bevölkerung, groß und klein, nieder und legten die Stadt in Flammen. Béziers wurde am Festtag der heiligen Maria Magdalena eingenommen. O, höchste Gerechtigkeit der Vorsehung! Wie wir es zu Beginn dieses Werkes dargelegt haben, behaupteten die Häretiker, die heilige Maria Magdalena sei die Buhlerin Christi gewesen. Schlimmer noch: Grade in der Kirche, die ... der Heiligen gewidmet ist, hatten die Einwohner von Béziers einen Vizegrafen getötet und dem Bischof die Zähne ausgeschlagen. Diese widerlichen Hunde wurden also mit Fug und Recht... in der Kirche, die sie mit dem Blut ihres Vizegrafen und ihres Bischofes besudelt hatten, niedergemetzelt. Grade in dieser Kirche ... wurden am Tag der Einnahme der Stadt mehr als siebentausend von ihnen getötet.

Professor Michel Fournier, Historiker in Béziers, sagt zu den Anschuldigungen des Chronisten:

Ich glaube, man kann wirklich denken, dass es eine nachträgliche Rechtfertigung ist. Nachdem man sie getötet hat, muss man den Mord rechtfertigen und sie als Böse oder Sünder bezeichnen. Die Wahrheit ist etwas subtiler. In der Sicht strenger Kleriker oder der Barone des Nordens waren die Bewohner von Béziers dem Lebensgenuss ergeben. Die Bewohner von Béziers verstanden sich gut mit den Juden und Katharern und Parfaits, ihren Priestern - bis zu dem Punkt, sie zu beschützen und sie ins Haus zu lassen, wie zum Beispiel der Vizegraf Trencavel. Wer Häretiker oder Ungläubige beschützte, war in den Augen dieser Leute selbst von der Häresie befallen. Die Sitten des Südens waren weniger streng, waren fröhlicher, es gab die Poesie, die Troubadoure, die höfische Minne, das bedeutete für die Leute aus dem Norden und strenge Kleriker eine Form der Lebensfreude, die sie nicht akzeptieren konnten.

Der Chronist Wilhelm von Tudèle hat wie Peter von Vaux-de-Cernay aus eigener Anschauung berichtet. Der literarisch gebildete Kleriker verdiente seinen Lebensunterhalt wahrscheinlich durch Vorlesen. Als treuer Katholik war Wilhelm von Tudèle für die Bekämpfung der Häresie, aber er bedauerte die Leiden der Unschuldigen. Der Chronist hat in Versen geschrieben und sein Chanson gilt als gute historische Quelle. Er schildert die Einnahme von Béziers:

Im Handgemenge dringen sie ein in die Stadt
Gezwungen sind die Belagerten, Mauern und Wall zu verlassen
Frauen und Kinder nehmen sie mit sich
Sie eilen zur Kirche und läuten die Glocken
Doch niemand kann sie mehr schützen
Auch wer in die Kirche geflüchtet, wurde getötet.
Nicht das Kreuz rettet ihn, der Altar, der Gekreuzigte
Die Priester werden von tobenden Knechten getötet
Die Frauen und Kinder. Niemand, glaub ich, entkam
Die Knechte sind in die Häuser gedrungen
Und finden in Fülle wertvolle Güter.
Als die Barone dies sehen, werden sie zornig
Und jagen die Knechte aus den Häusern wie Hunde
Da sie selbst nun beraubt sind durch die Barone
Schreien die Taugenichtse und Gauner >legt Feuer, legt Feuer<
Und tragen Fackeln zusammen genug, um Scheiterhaufen zu richten
Feuer ergreift die Stadt, der Schrecken breitet sich aus
Die Stadt verbrennt in ihrer Länge und Breite
Katharer Beziers Albingenser Beziers
Tafel in Béziers. 1209: Die Bekreuzten massakrieren die Bewohner von Béziers und zünden die Kirche an. So auch die um 1325 kopierte Chronik.


WIRKUNGSVOLLER GESANG

Am ersten August 1209 steht das Kreuzzugsheer vor Carcassonne. Trencavel, der Vizegraf, ist nach den Erfahrungen von Béziers fest entschlossen, die Stadt zu verteidigen. Die Zitadelle und die Vorstädte sind stark befestigt. Peter von Vaux-de Cernay beschreibt die Kämpfe:

Am dritten Tag begannen die Unseren mit dem Angriff auf die etwas schwächer befestigte Vorstadt. Bischöfe, Äbte und Priester sangen mit großer Hingebung zusammen das >Komm heiliger Geist<... Daraufhin verließen die Feinde ihre Stellungen... zwei Tage später erfolgte der Angriff auf die zweite, stärker befestigte Vorstadt. Sie... verteidigten sich mit einem solchen Mut, dass die Unseren sich unter einem anhaltenden Hagel von Steinen aus dem Graben zurückziehen mussten.. Nun brachten die Bekreuzten Steinschleudern in Stellung, um die Mauern zu zerstören.

BESITZWECHSEL

Schließlich fällt auch die zweite Vorstadt und geht in Flammen auf. Aber die Zitadelle hält. Die Barone fürchten, es könnte kommen wie in Béziers, wo der größte Teil der Beute ein Raub der Flammen wurde. Sie wollen verhandeln. Trencavel stimmt zu, durch Wassermangel und Krankheit gezwungen. Die Bedingungen sind hart: Trencavel wird gefangengesetzt und alle Einwohner müssen die Stadt verlassen. Außer Hemd und Hose dürfen sie nichts mitnehmen. Auch die Katharer dürfen abziehen. Die Barone haben andere Probleme. Eine ganze Stadt ist ihre Beute, sie muss verteilt werden. Wilhelm von Tudèle beschreibt, was nach dem Auszug der
Bewohner geschieht.

Mit Eifer dringen die Ritter ein in die Stadt
Die schöne Beute häufen sie auf. Sie teilen alles nach ihrem Belieben.

Die Freude wärt nur kurz. Der Abt von Cîteaux tritt auf und sagt:

Ich befehle allen, in Gottes Namen
Dass Ihr nicht das geringste nehmt aus der Stadt
Oder ich schleudere über Euch auf der Stelle den Bannfluch.
Wir geben alles einem mächtigen Herrn
Der das Land soll regieren wie Gott es gefällt

Der Vizegraf von Carcassonne wird in ein Turmverlies geworfen, wo er im Herbst unter dubiosen Umständen umkommen wird. Da er exkommuniziert ist, steht seine Vizegrafschaft nach kirchlichem Recht zur Disposition. Der Legat Arnold ist entschlossen, die eroberten Gebiete an zuverlässige Feudalherren zu vergeben. Die Barone aus dem Norden zögern, denn eine Enteignung durch den Kirchenbann greift in feudale Rechte ein und stellt für jeden Feudalherrn eine Bedrohung dar. Bei der Versammlung der Anführer des Kreuzzuges lehnen einige bedeutende Adlige die Übernahme der Vizegrafschaft ab, darunter die Herzöge von Burgund und Flandern. Ein kaum bekannter Baron namens Simon von Montfort hat keine Bedenken und lässt sich die Vizegrafschaft übereignen. Nach der Einsetzung des neuen Vizegrafen von Carcassonne löst sich das Kreuzzugsheer auf. Größere Beute steht nicht mehr aus und die vierzig Tage zur Erlangung der Sündenvergebung sind vergangen. Nur wenige Ritter blieben bei Simon von Montfort. Mit Carcassonne hatte er einen leicht zu verteidigenden Stützpunkt erobert. Das Languedoc ist aber längst nicht besiegt.

DER KRIEG GEHT WEITER

Einige Städte wie Albi unterwerfen sich formal dem neuen Herrn von Carcassonne. Aber viele adlige Gefolgsleute Trencavels lassen sich durch den Kirchenbann nicht beeindrucken. Sie pochen weiter auf ihre feudalen Besitzrechte und verteidigen ihre Burgen. König Peter II. von Aragon, der Oberherr der Vizegrafschaft, akzeptiert Simon von Montfort nicht als Gefolgsmann. Der Baron aus dem Norden muss weiter Krieg führen, um Herr über die Vizegrafschaft zu werden. Viele Burgen wechseln mehrfach den Besitzer. Wenn Simon von Montfort seine Gegner militärisch nicht unterwerfen kann, hält er sich an deren Bauern. Peter von Vaux-de-Cernay:

Nachdem er die Weinberge und Obstgärten von Foix verwüstet hatte, kehrte unser Graf Simon nach Carcassonne zurück.

DAUERKREUZZUG

Im Verlauf der Jahres 1210 werden die Streitkräfte Simons von Montfort durch Krieger aus dem Norden verstärkt. Die Chronisten nennen sie weiter croisés, also Bekreuzte. Es handelt sich nun also um eine Art Dauerkreuzzug. Dabei ist unklar, inwieweit die Kriegsteilnehmer in den Genuss von Kreuzzugsprivilegien kamen. Im Juni 1210 regt der Vizegraf von Narbonne einen gemeinsamen Angriff auf die Stadt Minerve an. Simon von Montfort und Arnold, Abt von Cîteaux und noch immer Legat des Papstes, lassen sich nicht lange drängen. Ende Juni beginnt die Belagerung der Stadt Minerve. Die Verteidiger wehren sich erbittert, müssen aber am Ende doch verhandeln. Simon von Montfort überlässt dem Abt von Cîteaux die Formulierung der Übergabebedingungen. Peter von Vaux-de-Cernay:

Daraufhin war der Abt sehr bestürzt. Er wünschte lebhaft den Tod der Feinde Christi. Aber als Mönch und Priester wagte er es nicht, sie sterben zu lassen.

Der Abt von Cîteaux ordnet an, alle Bewohner der Stadt seien zu verschonen, auch die Katharer, falls sie bereuen und zur Kirche zurückkehren würden. Als jemand befürchtet, die Katharer würden aus Angst nur zum Schein bereuen, sagt der Abt laut Peter von Vaux-deCernay:

Fürchtet nichts, ich glaube, nur wenige werden sich bekehren lassen.

MORDLUST UND TODESBEREITSCHAFT

Der Abt schätzt die Todesbereitschaft seiner Feinde richtig ein. Nach der Übergabe der Stadt lehnen die Priester und Priesterinnen der katharischen Kirche es ab, ihrem Glauben abzuschwören. Der Abt von Vaux-de-Cernay (der Onkel des Chronisten) sucht die Häuser der Katharer auf und versucht, mit ihnen zu sprechen. Der Chronist:

Aber sie unterbrachen ihn und riefen mit einer Stimme: >Warum haltet ihr uns eine Predigt? Wir wollen euren Glauben nicht, wir verleugnen die römische Kirche. Ihr bemüht euch vergeblich. Weder das Leben noch der Tod kann uns von unserem Glauben trennen.< Nach diesen Worten verließ der ehrwürdige Abt eilig das Haus und begab sich zu den Frauen, die sich in einem anderen Haus versammelt hatten, um das Wort an sie zu richten. Waren die Männer schon widerspenstig und verstockt, so fand er die Frauen noch widerspenstiger und verstockter vor. Unser Graf betrat kurz darauf die Stadt. Er begab sich zu dem Haus, in dem sich die Häretiker versammelt hatten. Er war ein guter Katholik und wollte, dass alle durch die Erkenntnis der Wahrheit gerettet würden. Er bot ihnen an, zum katholischen Glauben überzuwechseln. Aber es war vergeblich. Der Graf ließ sie vor die Stadt führen. Es waren mindestens einhundertvierzig Parfaits. Man errichtete einen großen Scheiterhaufen und warf sie alle hinein. In Wahrheit hatten die Unseren es nicht nötig, sie hineinzuwerfen. Sie stürzten sich selbst ins Feuer, so sehr beharrten sie auf dem Bösen.

DIE KOLONISIERUNG MACHT FORTSCHRITTE

Im September 1210 steht das Kreuzheer vor der Burg Puivert, im Vorland der Pyrenäen. In den Augen der Kirche ein wahres Häretikernest. Nach drei Tagen können die Belagerer in die Burg eindringen. Aber die Freude der Sieger währt nicht lange. Die Bewohner waren durch einen Geheimgang geflohen und hatten ihre Wertsachen mitgenommen. Puivert war ein beliebter Treffpunkt okzitanischer Poeten. Manche Burgherren schätzten die Kunst der Troubadoure und schützten die katharische Kirche. Damit waren sie für den Klerus selbst Häretiker. Als im Herbst nach einer Belagerung von drei Monaten die Festung Termes fällt, beginnt der Widerstand abzubröckeln. Viele Burgbesatzungen fliehen, wenn sich das Kreuzheer nähert. Bei einer Konferenz in Narbonne erkennt König Peter von Aragon Simon von Montfort als Vasallen an, verbietet aber eine Unterwerfung unter die französische Krone. Trotzdem führt Simon von Montfort Rechtsnormen ein, die im Norden Frankreichs gelten. Es wird deutlich, dass die Ausrottung der Häresie mit dem Anschluss der Vizegrafschaft an die französische Krone verbunden wird. Nach ihrer inneren Logik ist aber das eigentliche Ziel der Unternehmung die Grafschaft Toulouse. Aus der Sicht der Kirche ein Zentrum der Häresie, aus der Sicht der Barone die reichste Grafschaft des Südens. In Toulouse aber residiert seit seiner Versöhnung mit der Kirche völlig legal und unangreifbar Graf Raimund VI.

KREUZZUG GEGEN TOULOUSE

Ein Konzil im Februar 1211 schafft Abhilfe. Dem Grafen von Toulouse wird vorgeworfen, nichts gegen die Häresie unternommen zu haben. Man stellt ihm unannehmbare Forderungen: Völlige Unterwerfung, Übergabe der befestigten Plätze und Verzicht auf eigene Steuern. Weiterhin soll er im Heiligen Land so lange unter den Tempelrittern dienen, bis ihm Rom die Rückkehr erlaubt. Graf Raimund von Toulouse lehnt ab und wird prompt wieder exkommuniziert. In ganz Frankreich war wieder der Kreuzzug gepredigt worden und mit den Verstärkungen aus dem Norden kann Simon von Montfort den Krieg wieder aufnehmen. Im Mai 1211 wird die Stadt Lavaur erobert. Peter von Vaux-de-Cernay notiert, was mit den Unterlegenen geschah:

Aimery und achtzig seiner Ritter wurden aus der Stadt geführt. Der edle Graf entschied, dass sie alle gehängt werden sollten. Sie wurden schneller getötet, als man es erzählen kann. Die Herrin von Lavaur, eine abgefeimte Ketzerin, wurde in einen Brunnen geworfen. Zuletzt verbrannten die Bekreuzten mit größter Freude eine Unzahl von Häretikern.

Vierhundert Katharer verbrannten in Lavaur. Peter von Vaux-de-Cernay notiert über das Schicksal der Katharer in der kurz darauf eroberten Burg Cassés:

Die Bekreuzten ergriffen rund sechzig Häretiker und verbrannten sie mit großer Freude.

TOULOUSE BEHAUPTET SICH

Im Juni 1211 beginnt die Belagerung von Toulouse. Simon von Montfort hat nicht genug Truppen, um die Stadt einzuschließen und muss nach mehreren Ausfällen der Stadtmilizen die Belagerung aufheben. Der Krieg um Burgen und Städte geht weiter und die Verwüstung der Grafschaft hält an. Auch Kreuzfahrer aus Deutschland sind daran beteiligt. Der Kölner Chronist notiert zum Jahr 1211:

In diesem Jahr zog wieder eine Menge Edler aus dem Oberland mit einer unzähligen Schar aus Schwaben und Alemannien gegen die Katharer. Sie eroberten sehr viele Städte und Burgen und töteten eine große Anzahl dieser Häretiker durch Feuer und Strang.

Im September beginnt die Gegenoffensive des Grafen von Toulouse und des ebenfalls von den Kreuzfahrern bedrängten Grafen von Foix. Bei Castelnaudary behalten ihre Streitkräfte die Oberhand, aber Simon von Montfort kann fliehen. Im Winter wird in Frankreich und Deutschland ein neuer Kreuzzug gepredigt und im Frühjahr 1212 kann Simon von Montfort seine Reihen wieder auffüllen.

DER PAPST IST IRRITIERT

Ein Briefwechsel zwischen Papst Innozenz III. und König Peter von Aragon nötigt Simon von Montfort zur Vorsicht. Der Papst kritisiert das Vorgehen der Kreuzfahrer gegen kirchentreue Adlige und erwägt, den Kreuzzug abzublasen. Im Verlauf des Jahres 1212 unternimmt das
Kreuzheer keinen weiteren Angriff auf Toulouse, sondern beschränkt sich auf die Eroberung
kleinerer Plätze. Im September mS sich die Stadt Moissac nach heftigen Kämpfen ergeben.
Die Bewohner werden geschont, nachdem sie sich der neuen Herrschaft unterworfen haben. Dreihundert Gefolgsleute des Grafen von Toulouse, die die Stadt verteidigt hatten, werden umgebracht. Peter von Vaux-de-Cernay:

Unsere Bekreuzten ergriffen sie und massakrierten sie mit Begeisterung.

Im Januar 1213 trifft Peter von Aragon mit seiner Gefolgschaft in Toulouse ein und wird begeistert empfangen. Auf einem Konzil in Lavaur verlangt der König eine Garantie für die bestehenden Besitzverhältnisse. Da Simon von Montfort ablehnt, erklärt sich der König zum Schutzherren der Grafschaft Toulouse.

DER PAPST IST WIEDER DABEI

Innozenz III. wendet im Juni 1213 seine Gunst wieder Simon von Montfort zu und fordert König Peter auf, nichts gegen die Kreuzfahrer zu unternehmen. Trotzdem mobilisiert der König seine Streitkräfte. Die verbündeten Truppen aus Aragon und dem Languedoc treffen im September 1213 bei Muret auf das Kreuzzugsheer. Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit verliert das Aufgebot der Verbündeten. Peter II. fällt in der Schlacht. Kurz vorher hatte er sich in Spanien bei einem großen Sieg über die Mauren bewährt und wurde als christlicher Held gerühmt. Es war bittere Ironie, dass er hier durch das Schwert eines Kreuzritters zu Tode kam. Mit der Niederlage bei Muret war die Chance für die Bildung eines unabhängigen okzitanisch-aragonesischen Reichs vertan.