Kreuzzüge und Judenpogrome - erster und zweiter Kreuzzug
Hassprediger
Ein Mönch namnes Radulf wirbt 1147 in mehrern Städten für die Kreuzzahme und forderte dabei zur Vernichtung der Ungläubigen auf. Der Würzbuger Maler Martin Seger bebilderte um 1550 die Bischofschronik des Lorenz Fries. Seger macht den Zusammenhang zwischen Predigt und Juden-Pogrom sozusagen übersichtlich.
(9) Feindbild und Juden -Pogrom

Hasspredigt

Wie schon dargelegt, konnten die Prediger nicht damit rechnen, dass die Angesprochenen aus schierem Mitleid mit den ihnen gar nicht bekannten Ostchristen dazu bereit waren, Geld zu spenden oder sich in Marsch zu setzen. Aber jeder Gläubige kannte die Erzählungen vom Leiden Jesu und den Heiligen Stätten. Damit konnte man um 1095 die Gemüter entflammen:. Mit einfachen Worten, die jeder verstand. Albert von Aachen:

Ein Priester, Peter mit Namen, hat als erster zu diesem Zug aufgefordert ... und als Prediger mit allen Künsten das Volk dafür gewonnen.

Jesus laut Albert von Aachen in der Peter-Erzählung.

Peter, du liebstes meiner Erdenkinder ... entflamme die Herzen der Gläubigen, Jerusalem und die heiligen Stätten zu säubern und den Dienst in den Heiligtümern wiederherzustellen ...

Der Chronist Frutolf von Michelsberg:

Im Jahr des Herrn 1096 ... Ihre Leidenschaften waren aufgewühlt durch zahlreiche Botschaften über die Bedrängnis des Heiligen Grabes und die Verwüstung aller derjenigen Kirchen, die das wilde Volk der Türken vor einigen Jahren seiner Herrschaft unterworfen und durch unerhörte Beschwernisse allmählich zerstört hatte.

Das Volk der Türken sollte also die heiligen Stätten verunreinigt haben. Nun kannte das Volk aber die Erzählung von einem noch größeren Verbrechen, das andere begangen hatten. Nämlich die Erzählung, die da lautet, die Juden haben Jesus ans Kreuz geschlagen

Juden waren nicht rechtlos

Ab dem 7.Jahrhundert häufen sich kirchliche Dekrete zwecks Ausgrenzung der Juden. Beispiele: Christen durften keine Jüdinnen heiraten und nicht an den Mahlzeiten der Juden teilnehmen. Juden durften nach Gründonnerstag vier Tage lang nicht unter Christen erscheinen etc. Aber die Juden waren nicht vollkommen rechtlos, weder nach kirchlichem noch nach feudalem Recht. Niemand durfte ungestraft Juden töten oder bestehlen. Das Konzil von Toledo verbot im Jahr 633 die Zwangstaufe. Kurz: Die Institutionen, vor allem die kaiserlichen, beschützen die jüdischen Gemeinden. Das half ihnen aber nicht, wenn sie es mit aufgebrachten Mengen zu tun bekamen. Dass Gemütserrungen zu Pogromen führen können, lehrte schon damals die Erfahrung. Kaiser Heinrich IV. hatte seine kirchlichen und weltlichen Gefolgsleute vorsorglich beauftragt, die Juden zu schützen. Herzog Gottfried von Bouillon, Anführer der reichszugehörigen Pilger, sicherte den Gemeinden von Köln und Mainz gegen Zahlung von tausend Silbermark zu, sie zu beschützen. Das konnte er gar nicht.

Feinde Gottes rechtlos

Laut Albert von Aachen beriefen sich die Täter sich auf ihren mit dem Feldzug verbundenen Auftrag.

Darauf, ich weiß nicht ob nach Gottes Ratschluss oder aus irgendeiner Verirrung des Geistes, erhoben sie sich in einem Anfall von Grausamkeit gegen das jüdische Volk, das zerstreut in verschiedenen Städten wohnte, und richteten unter ihm ein höchst grausames Blutbad an, und zwar vor allem im lothringischen Reich, und versicherten, dies sei der Anfang ihres Zuges und ihres Gelöbnisses gegen die Feinde des christlichen Glaubens.

Aufrufe zu Feldzügen im Namen des Kreuzes, also letztendlich Gottes, gehören von nun ab zum politischen Instrumentarium der Kirche. Schon beim ersten Feldzug kommt es zur Praxis, die Gegner nicht als Geschöpfe Gottes oder wie wir heute schlicht sagen Menschen anzusehen. Diese Sicht war insofern zweckmäßig, als sie die umstandslose Enteignung und Tötung dieser Feinde Gottes erlaubte. Die Kirche hat sich dann nicht von dieser Vorstellung distanziert, sondern sie in einem Ideengebäude verankert, das Gesellschaftswissenschaftler heute als Kreuzzugs-Ideologie bezeichnen.

Feindbild übertragen

Ob Prediger dazu aufgerufen haben, die jüdischen Gemeinen anzugreifen, wissen wir nicht. Sofern das rechtliche Konstrukt, das Leben und Eigentum der Juden schützte, von christlichen Mitbürgern respektiert wurde, genügte offensichtlich die Predigt von den Feinden Gottes entsprechende Hemmschwellen abzubauen. Der jüdische Chronist Solomon bar Simson:

Es geschah, dass sie durch Städte zogen, in denen Juden wohnten. Sie sprachen zueinander: Seht an, wir sind auf einer langen Reise zum Grab, um uns an den Anhängern des Islams zu rächen, obwohl doch mitten unter uns die Juden sind, deren Vorväter ihn ermordeten und kreuzigten, ohne einen Grund zu haben. Lasst uns zuerst an ihnen Rache nehmen und sie unter den Völkern ausrotten, so dass der Name Israels aus der Erinnerung schwindet, oder lasst sie unseren Glauben annehmen.

Propaganda? In seiner Schrift De vita sua beschreibt auch der christliche Chronist Guibert von Nogent diesen Mechanismus:

In Rouen hoben die Bekreuzten eines Tages an untereinander zu klagen: Wir wollen die Feinde Gottes im Orient angreifen, wofür weite Landstriche zu durchmessen sind, wo hier vor unseren Augen doch die Juden sind, das gottesfeindlichste Volk unter allen. Das ist die verkehrte Reihenfolge der Arbeit, sagten sie. Auf diese Worte hin ergreifen sie die Waffen und treiben sie, ich weiß nicht ob mit List oder Gewalt, in eine Kirche und überantworten sie ohne Ansehen von Geschlecht oder Alter ihren Schwertern. Nur wer sich der Taufe unterwirft, entgeht dem drohenden Schwertstreich.

Aussicht auf Beute

Waren sie aufgebrochen, um die besudelten Kirchen zu reinigen oder christlichen Brüdern zu helfen? Die Augenzeugen berichten von keiner einzigen Tat in dieser Richtung, weder unterwegs noch am Ziel. Laut der Schilderung des Chronisten Fulcher von Chartres waren die innergesellschaftlichen Umgangsformen so roh, dass der Zwang zu Selbstbehauptung selbstloses Handeln ausschloss. Aufrichtige Empörung schließt rationale und eigennützige Erwägungen ja nicht aus. Eine Pilgerfahrt verhieß Seelenheil und Heilung körperlicher Gebrechen, ein Feldzug eröffnete die Aussicht auf Beute. Und zwar auch unterwegs. Der Pilgerzug des Peter von Amiens erreichte Anfang April 1096 die Stadt Trier. Peter garantierte den Schutz der jüdischen Gemeinde, verlangte dafür aber die Versorgung seiner Leute. Solomon bar Simson kommentiert die Erpressung:

Als er hierher kam, verloschen unsere Seelen, brachen unsere Herzen, wir begannen zu zittern und unser Fest verwandelte sich in Trauer ... Wir versorgten den Priester Peter und er zog weiter.

Die Juden von Trier konnten sich also loskaufen. Aber ihre düsteren Ahnungen sollten sich kurz darauf bestätigen.

Allgemeine Bereicherung

Am 3. Mai 1096 rückte ein Haufen Bekreuzter unter Graf Emich von Leiningen in Speyer ein, um die jüdische Gemeinde anzugreifen. Wie in anderen Städten stellte auch hier der Bischof die Juden gegen Bezahlung unter seinen Schutz. Trotzdem wurden elf Mitglieder der Gemeinde umgebracht, weil sie die Taufe ablehnten Auch in Worms versuchte der Bischof die Juden zu schützen. Doch seine Waffenknechte waren machtlos: Solomon bar Simson:

Der Feind riss ihnen die Kleider vom Leibe, trieb sie zusammen und brachte sie um. Nur wenige, die sich mit profanem Wasser taufen ließen, wurden geschont ... Sie nahmen die Thora-Rolle, traten sie in den Schmutz und verbrannten sie. Wer im Hause blieb, wurde von diesen Wölfen umgebracht, Männer, Frauen, Kinder und Alte. Sie rissen die Treppen ab, zerstörten die Häuser, raubten und plünderten. Der Feind verschlang die Kinder Israels mit offenem Maul ... In zwei Tagen wurden ungefähr achthundert erschlagen und nackt verscharrt.

Emichs Haufe zog weiter und stand am 25. Mai vor Mainz. Die Obrigkeit hatte angeordnet, die Tore zu schließen. Solomon bar Simson über die Ereignisse in Mainz:

Als der Bösewicht auf seinem Weg nach Jerusalem in Mainz ankam, gingen die Älteren der Gemeinde zu ihrem Bischof, Ruthard, und gaben ihm 300 Mark in Silber ... Der Bischof und der Stadtobere stimmten dem Ansinnen der Juden zu und sagten: Wir werden mit euch sterben oder mit euch am Leben bleiben.

Die Juden finden Zuflucht im Palast des Bischofs. Einige Bürger, wohl selbst scharf auf die Habe der Juden, öffneten die Stadttore. Der Chronist:

Die Juden bewaffneten sich im inneren Hof des Bischofs und drangen zum Tor vor, um gegen die Irrgläubigen und Bürger zu kämpfen. Beide Seiten kämpften am Tor, aber durch ihre Angriffswut überwältigte sie der Feind und eroberte das Tor ... die Leute des Bischofs, die versprochen hatten, zu helfen, flohen als erste ... der Bischof selbst floh in die Kirche, weil sie ihn töten wollten, da er zugunsten der Juden gesprochen hatte. Die Frauen gürteten ihre Lenden mit Stärke und schlachteten ihre Söhne und Töchter und dann sich selbst. Viele Männer nahmen ihre Kraft zusammen und schlachteten ihre Frauen und Kinder und Säuglinge. Die sanfteste und zarteste Frau schlachtete das Kind ihrer Freude. Sie alle erhoben sich, Männer wie Frauen, und schlachteten sich gegenseitig.

Übertrieben, weil voreingenommen? Albert von Aachen:

Der Bischof nun, der geistliche Oberhirt der Stadt, nahm eine ganz unerhörte Menge Geldes aus den Händen der Juden entgegen und legte es in sorgsame Verwahrung. Die Juden selbst versammelte er, zum Schutze vor dem Grafen Emicho und seinem Gefolge, im geräumigsten Saale seines Hauses und dort blieben sie auch in sicherer und wohlbefestigter Unterkunft heil und unverletzt. Aber Emicho und seine ganze Schar hielten Rat und bei Sonnenaufgang griffen sie mit Pfeilen und Lanzen die Juden im bischöflichen Saale an, brachen Riegel und Türen auf, überfielen die Juden, ungefähr 7oo an der Zahl, die vergebens dem Ansturm von so vielen Tausenden Widerstand zu leisten suchten, trieben sie heraus und machten sie alle nieder. Auf gleiche Weise schlachteten sie auch die Weiber ab. Und auch die zarten Kinder beiderlei Geschlechts ließen sie über die Klinge springen. Die Juden aber, da sie nun sahen, wie die Christen sich gegen sie und ihre Kinder erhoben und kein Alter verschonten, ergriffen nun gegen sich selbst und gegen die eigenen Glaubensbrüder die Waffen, gegen die eigenen Kinder und Weiber, Mütter und Schwestern und töteten sich in gegenseitigem Morden. Mütter schnitten, was zu erzählen schon Sünde ist, mit dem Messer ihren saugenden Kindern die Gurgel ab, andere durchbohrten sie. Denn sie wollten alle lieber von eigenen Händen als durch die Waffen der Unbeschnittenen fallen.

Auch in Köln nehmen Mitbürger die Gelegenheit wahr. Albert von Aachen:

Dieses Judenmorden wurde zuerst in Köln von den Bürgern verübt: unvermutet fielen sie über eine kleine Zahl von Juden her und machten die meisten von diesen mit schweren Verwundungen nieder, zerstörten ihre Häuser und Synagogen und verteilten unter sich das meiste von dem erbeuteten Geld. Als die andern Juden solche Grausamkeit sahen, machten sie sich, ungefähr 200, in der Stille der Nacht auf die Flucht und suchten zu Schiff nach Neuß zu entkommen. Aber die Pilger und die mit dem Kreuz Gezeichneten, als sie davon erfuhren, ließen auch nicht einen von den Fliehenden am Leben, sondern richteten unter ihnen das gleiche Morden an und raubten ihnen all ihre Habe.

Reichlich Gepäck

Albert von Aachen bedauert die Pogrome:

So grausam also wurden die Juden hingemordet .... und nun setzten, beladen mit der jüdischen Beute, Emich ... und diese ganze unerträgliche Gesellschaft von Männern und Weibern ihre Fahrt nach Jerusalem fort ...

Frutolf von Michelsberg hält zwar die Juden für Feinde der Kirche, überlässt aber das Urteil über die Vorgänge keinem Geringeren als Gott. Dass Habgier eine Rolle spielte, lässt er durchblicken.

In den Städten, die sie durchzogen, vernichteten sie die verruchten Überreste der Juden als die in Wahrheit inneren Feinde der Kirche entweder völlig oder zwangen sie, in der Taufe Zuflucht zu suchen, die meisten von ihnen kehrten jedoch später, wie die Hunde zum Erbrochenen, wieder zum früheren Glauben zurück. Ob dies nach dem Urteil Gottes geschah oder ob ihm das gefiel, muss ihm selbst überlassen bleiben. Seitdem führten die meisten Teilnehmer reiches Gepäck mit sich ...

Ekkehard von Aura sieht dagegen christlichen Eifer am Werk:

Auch machte sich damals der kriegerische Emicho auf, ein Graf im Rheinland ..., und riss nun die Führung über fast 12 000 Bekreuzte an sich. Sie wurden durch die Städte an Rhein, Main und Donau geführt, und wo sie das verdammenswerte Volk der Juden antrafen. Da diente ihnen der christliche Eifer dazu, es entweder völlig zu vernichten oder es in den Schoß der Kirche zu treiben.

Die plündernden und mordenden Bekreuzten hatten keinen Grund, sich mit Taufen aufzuhalten. Gegenüber Getauften entfiel der Vorwand, sie hätten es mit Rechtslosen zu tun. Offenbar griff in einigen Städten die Geistlichkeit zum Mittel der Zwangstaufe, um die Juden vor dem Schlimmsten zu bewahren. So etwa in Regensburg. Solomon bar Simson:

Die Bürger der Stadt trieben sie zum Fluss. Dann machten die Feinde ein schlimmes Zeichen über dem Wasser, waagrecht und senkrecht und befleckten sie alle gleichzeitig im Fluss, denn es waren sehr viele. Sie kehrten zum Herrn zurück, sobald der Feind weitergezogen war.

Aufrufe zu Kreuzzügen und die damit einsetzende Propaganda werden immer wieder Judenpogrome auslösen. Quasi automatisch.

Ein Verbrechen, für den Kaiser

Eine Stellungnahme von Papst Urban ist nicht überliefert. Dass sein Aufruf zum Feldzug dem Landfrieden gedient habe, kann man so nicht sagen. Kaiser Heinrich IV. hat nach seiner Rückkunft aus Italien die Übertretung seiner Erlasse geahndet. Frutolf:

Im Jahr des Herrn 1098. In Mainz ließ der Kaiser eine gerichtliche Untersuchung über das Vermögen der getöteten Juden anstellen. Von den am Raub beteiligten wurden auch einige aus der Verwandtschaft des Erzbischofs beschuldigt. Als der Kaiser nach ihnen forschte, sind sie jedoch nicht vor ihm erschienen. Da der Bischof ihre Sache nicht verteidigen konnte, verließ er verbittert die Stadt.

Der Kaiser hat den zwangsgetauften Juden dann erlaubt, zu ihrem Glauben zurückzukehren, obwohl Urbans Nachfolger Paschalis Protest einlegte.

Grabeskirche sauber und einträglich

Der Chronist Ekkehard von Aura behauptet, er habe die Verunstaltung von Kirchen mit eigenen Augen gesehen

Die Türken ... eroberten zunächst Nikäa, einst fester Turm des katholischen Glaubens ... und verschonten keinen Christen, keine Kirche, kein Kloster, ja nicht einmal die Bilder der Heiligen. Wir sahen nämlich ... in den zur Hälfte zerstörten Kirchen jenes Gebietes die Bilder selbst unseres Erlösers und seiner glorreichen Mutter oder anderer Auserwählter ... die Beschädigung an Nasen und Augen, Händen und Füssen ...

Ekkehard lügt, er hat nach eigenen Angaben - allerdings an anderer Stelle seiner Chronik - keinen Fuß auf jenes Gebiet gesetzt. Im Rahmen der Feldzüge des Jahres 1101 reiste Ekkehard von Aura nämlich über die Landroute nach Konstantinopel und von dort weiter per Schiff nach Jaffa in Palästina. Hier mussten die Pilger ausharren bis ein Entsatzheer die ägyptischen Truppen vor der Stadt vertreiben konnte. Ekkehard löste in Jerusalem sein Gelübde ein, bewunderte in der Grabeskirche die Lampen, die vom Himmel her angezündet wurden und kehrte nach Jaffa zurück.

Nachdem wir uns am 2., September in Joppe (Jaffa) eingeschifft hatten, gelangten wir in der Karwoche nach Rom.

Ekkehard kann also keine Kirchen in Anatolien gesehen haben. In Jerusalem hat er welche gesehen, erwähnt aber keine Beschädigungen. Nachdem die Sieger im Jahr 1099 in der völlig intakten Grabeskirche ihrem Herrn Jesus gedankt hatten, bleibt ihm nichts anderes übrig als zu konstatieren:

Das Grab des Herren blieb wegen der Steuererhebung verschont.
Juden-Pogrome 1147

(Zweiter Kreuzzug nach allgemeiner Zählung, erfolgte auf Drängen von Bernhard von Clairvaux.)

Erneut greifen Bekreuzte und Büger in Worms, Köln, Mainz, Speyer und anderen Städten die jüdischen Gemeinden an, Wie im Jahr 1096 hatten die Predigten über die Todfeinde der Christenheit die Massen aufgebracht. Chronist Lorenz Fries:

Alle eilen zu dem Ort, den einst die Füße Jesu berührten, heften sich vermessen das Zeichen des Kreuzes an, zwingen fast auf dem ganzen Marsch die angetroffenen Juden zur Taufe und töten die Widerstrebenden auf der Stelle ... Ich will aber aus vielen ein Beispiel für ein Judenpogrom anführen, das in Würzburg stattfand, damit ich durch die Gewissheit dieses einen Beispiels den übrigen mehr Glaubwürdigkeit angedeihen lassen kann. Als im Februar die Kreuzfahrer in der Stadt zusammenströmten, wurde am 24. Februar der Leichnam eines in viele Teile zerschnittenen Menschen aufgefunden ... Die verstreuten Teile des Körpers werden gesammelt, der Leichnam zum Krankenhaus in der Stadt gebracht und dort in der Vorhalle außerhalb der Kirche beigesetzt. Man ergreift das gleichsam als gerechte Gelegenheit gegen die Juden. Bürger wie Fremde dringen, ergriffen von plötzlicher Wut, in die Häuser der Juden ein, gehen auf sie los und töten Greise wie Jüngere, Frauen wie kleine Kinder ohne Unterschied, Aufschub oder Erbarmen. Wenige werden durch die Flucht gerettet, noch weniger werden in der Hoffnung auf Entkommen getauft. Weiterhin hieß es, seien beim Begräbnis des genannten Leichnams Zeichen geschehen, so dass man glaubte, Stumme sprächen, Blinde sähen, und Lahme gingen wieder. Die Kreuzfahrer verehrten jenen Menschen wie einen Märtyrer, trugen die Überreste seines Körpers herum und forderten, dass dieser kanonisiert werde. Der gottesfürchtige Bischof der Stadt, Siegfried, leistetet mit seinem Klerus ihrer Schroffheit, ja ihrem Irrtum, Widerstand. Da entfesselten sie ein derartige Verfolgung gegen Bischof und Klerus, dass sie, weil sie den Bischof steinigen wollten, ihn bis in den Schutz der Türme trieben.

Ein Zisterziensermönch namens Radulf hatte im Rheinland den Kreuzzug gepredigt. Bernhard von Clairvaux schickt ihn ins Kloster zurück und wendet sich gegen die Judenverfolgungen:

Die Juden dürfen nicht verfolgt und getötet werden und nicht einmal verjagt... Sie sind in alle Himmelsrichtungen zerstreut worden, damit sie Zeugen unserer Erlösung sind, solange sie überall die gerechte Strafe für eine so große Untat erleiden.