Belagerungen im 30jährigen Krieg - Stralsund. - Frankfurt/Oder - Magdeburg - Würzburg - Breisach - Prag 1648
Bilder und Verlauf
Wallensteins Armee belagert Stralsund im Jahr 1628
Belagerung von Stralsund durch Wallenstein
Albert Wallensteins Armada belagerte vom 26. Juni bis 15. Juli 1628 Stralsund. Die Bürger hielten mit dänischer und schwedischer Waffenilfe stand. Das Eingreifen des schwedischen Königs Gustav Adolf zeichnet sich ab. Näheres HIER
Belagerung von Frankfurt an der Oder am 13. April 1631
Die Erstürmung erfogte zwei Tage später. Es war die erste bedeutende Militäropertion beim Vormarsch schwedischer Truppen unter König Gustav Adolf. Plünderungen und Gemetzel. 3000 Tote Verteidiger, 800 Angreifer bleiben auf der Strecke.
Belagerung von Frankfurt an der Oder 1631
BLUTBAD IN FRANKFURT AN DER ODER

Der auf schwedischer Seite agierenden schottische Oberst Monro: „In Frankfurt an der Oder waren an die 9.000 Mann Kaiserliche zusammengezogen worden. Da der schwedische König sich weder seines Schwagers, des Kurfürsten von Brandenburg, noch des Kurfürsten von Sachsen sicher war, marschierten wir mit 10.000 Mann nach Frankfurt an der Oder.

Frankfurt an der Oder war befestigt und wurde von einer ganzen Armee verteidigt. Trotzdem befahl Gustav Adolf den Sturmangriff.„3. April 1631. Der König hatte große und kleine Kanonen laden lassen. Nach dem Abfeuern sollten die Sturmtruppen noch im Pulverdampf vorgehen, was wir auch taten. Im Graben wateten wir bis zur Hüfte im Wasser und Schlamm. Der Feind hatte sich voller Angst vom Wall zurückgezogen. Wir drängten nach, um dem Feind durch eine Ausfallpforte in die Stadt zu folgen... Oberst Lumsdale und ich standen an der Spitze unserer Abteilung. Er mit einer Partisane, ich mit einer Halbpike in der Hand. Wir gaben den Pikenieren das Zeichen zum Angriff und führten sie an. Glücklicherweise erreichten wir die Pforte unverletzt, aber einige fanden den Tod. Der Feind war so überrascht, dass ihm der Mut fehlte, das Fallgitter herunterzulassen. So konnten wir auf den Fersen des Feindes in die Stadt eindringen... Nach uns kam General Baner mit frischen Musketieren herein.... Wir stießen wieder auf den Feind und besiegten ihn vollständig. Der größte Teil der Soldaten wurde niedergemacht, zur Vergeltung für die Gräueltaten, die sie in Neubrandenburg verübt hatten. Einige Offiziere erhielten Quartier, wie sie es auch gegeben hatten."

GLAUBENSBRÜDER GEPLÜNDERT

„Als die Wut verraucht war, vergaßen unsere Soldaten ihre Pflicht und waren nur noch auf Beute aus. Die Straßen waren voll mit Wertsachen aller Art. Es gab Tafelsilber, Juwelen, Gold, Geld und Kleider."

Monro hat sich offenbar nicht bedient. Er ist rechtschaffen empört: „So eine Unordnung! Alles wurde hervorgerufen durch die Raffgier, die Wurzel allen Übels." Weil ein Teil der Stadt brannte, erhielt die Truppe den Befehl zum Abzug. „Diese Befehle wurden öffentlich ausgerufen, aber viele hielten sich nicht daran und blieben in der Stadt, um zu plündern."

BILANZ

„Bei diesem Treffen verlor der Feind fast 3.000 Mann, vier Obristen, und weitere 36 kamen ums Leben. Oberst Sparr, fünf deutsche Oberstleutnante und ein irischer Kavalier wurden gefangen genommen... Auf unserer Seite kamen 800 Mann ums Leben... Man brauchte sechs Tage, um sie zu begraben. Zuletzt warf man sie haufenweise in große Gruben, mehr als 100 in jede."
Belagerung und blutige Erstürmung Magdeburgs - Empörung europaweit
Belagerung und Erstürmung (20. Mai 1631) von Magdeburg durch ligistische und kaiserlichen Truppen unter Tilly und Pappenheim. Brände und Söldner tobten gleichermaßen. Tausende starben in den Flammen, wurden ausgeplündert und niedergemetzelt. - auch Frauen und Kinder nicht verschont - so die übliche Floskel, die auch für Vergewaltigungen steht. Ausführliche Berichte aus Zeitungen und von Augenzeugen sowie die Totale der linken Abbildung HIER
Belagerung von Würzburg durch eine schwedische Armee - Kapitalution - Marienburg gestürmt
Belagerung von Würzburg durch die Schweden am 14. Oktober 1631. Die Stadt kapituliert. Die Marienburg wurde am 18. Oktober gestürmt.
Gustav Adolfs Einmischung hatte den Krieg verlängert, aber nicht verändert. Theatrum: „Nachdem der König mit guter Ordnung vor Würzburg angelangt, hat er die Tore geschlossen gefunden. Weil nun keine gütliche Öffnung erfolgte, sind solche gesprengt, die Vorstadt mit Gewalt eingenommen und von den Soldaten geplündert worden. Als die Soldaten, und mit ihnen viele Bürger, Weibspersonen und Mönche, mit ihren besten Sachen, auch vielen Kaufmannswaren, sich aufs Schloss salviert, ward der König sobald in die Stadt eingelassen."

ERSTÜRMUNG DER FESTUNG MARIENBURG

„Unangesehen kontinuierlichen Schießens hat der König gegen das Schloss mit aller Macht Gräben ausheben lassen. Nach 4 ganzen Tagen und Nächten lang ausgestandener gefährlicher Mühe und Arbeit sind die Schwedischen den 8. Oktober früh beim Turm an der Schlossbrücke mit den Laufgräben angelangt. Selbigen auch alsbald mit stürmender Hand einbekommen. Da die Brücke zum Tor des Vorhofs abgeworfen war, kamen sie nicht weiter und mussten etwas zurückweichen."

ÜBERALL TOTE

„Beim zweiten Sturm wurde das Schloss auf beiden Seiten zugleich mit Gewalt erstiegen. An die 1.500 Soldaten wurden niedergemacht. Mehr als zwanzig Mönche und in Summa, was in der Furie von den königlichen Soldaten ergriffen wurde, hat müssen Haare lassen. Daher lagen im Schloss, auf dem Hof, in der Schlosskirche und in der Sakristei überall Tote. Mehr als 100 Weibspersonen, Bürgersfrauen und Nonnen, neben des Bischofs Edelknaben, etlichen Gelehrten, Ratsherren und anderen vornehmen Leuten wurden gefangen und mussten Lösegeld bezahlen."

KÖNIGLICHE BEUTE

„Im Schloss wurde ein stattlicher Vorrat an Proviant, Munition, 30 Stück Geschütze und an Gold- und Silbergeschmeide, auch barem Geld, ein unermesslicher Schatz angetroffen und erobert. Der fürstliche Stall war voller stattlicher Pferde, es gab Wein auf etliche Jahre Vorrat, und in Summa, was ein König zu seiner Königlichen Hofhaltung vonnöten hat.
Belagerung von Breisach von Mai 1638 bis zur Kapitulation am 17. Dezember
Vorspiel: Die schwedisch-französische Allianz sah sich Anfang 1638 soweit gestärkt, dass sie die Realisierung des alten „großen Plans" ins Auge fasste: Die Heimsuchung der österreichischen Erblande. Eine schwedische Armee sollte von Pommern über Schlesien und Böhmen vorstoßen, Französische und Weimarische Truppen vom Rhein aus durch Süddeutschland. Um das Elsas als Raubgut und Operationsbasis zu sichern, galt es vorher der schwer einnehmbare Habsburger Grenzfestung Breisach habhaft zu werden.

FOLGENREICHE SCHLACHT BEI WITTENWEIER

Weimarische Truppen schlossen Breisach ein, um die Besatzung auszuhungern. Theatrum:

„Herzog Bernhard hat am 9. August 1638 der ganzen Armee den Aufbruch befohlen, weil Herzog de Savelli und Graf von Götz mit ihren Völkern und Proviantwagen am Rhein ginge, um die Festung Breisach zu proviantieren. Die Weimarischen sind darauf bald nach 12 Uhr mittags nahe Wittenweier an sie gekommen."

Die Reichsarmee verlor die Schlacht, und das Reich dadurch das Elsas. Theatrum:

„Von den Kaiserlichen und Bayrischen sind nicht allein über 1.500 Mann auf dem Platz erlegt worden, sondern es sind ihrer auch eine gute Anzahl im Rhein verdorben, viele wurden zu Gnaden und in Dienst aufgenommen, andere gefangen. In Summa wurde ansehnliches Corps von den ältesten Regimentern, zum wenigsten 12.000 Mann stark, so verringert und zerstreut, dass sich deren nicht dritthalb tausend mehr zu Ross und Fuß bei ihrem General versammelten."

Die kaiserlich-bayrischen Streitkräfte im Südwesten waren nicht mehr in der Lage, das belagerte Breisach zu entsetzen.

KANNIBALISMUS IN BREISACH

Der Straßburger Chronist Johann Walther:

„Wie erbärmlich und schrecklich es aber in dem unglücklichen belagerten Breisach hergegangen ist, ist kaum zu beschreiben. Sie haben nicht allein unnatürliche Sachen gegessen, als Hunde, Pferde, Katzen und gestorbenes Vieh, auch Rinderhäute und Leder, wilde Wurzeln und Kräuter, sondern (das schrecklich zu hören) drei gefangene Weimarische Soldaten, die im Stockhaus gelegen, haben sie geschlachtet und gegessen."

Die Garnison in Breisach ergab sich am 17. Dezember 1638. Der Straßburger Chronist:

„Den 21. Dezember um 2 Uhr sind die Abgezogenen aus Breisach in Schiffen allhier angekommen. Es war ein elender Anblick, diese armen, elenden, verhungerten Menschen anzusehen, die mehr Geistern und Gespenstern als lebendigen Menschen glichen. Die ganze Stadt lief hinaus, um diese elenden Menschen zu sehen."
Die letzte Belagerung von Prag 1648
DIE SCHWEDEN FAST IN PRAG

Während sich schwedische und französische Truppen erneut über Land und Leute in Bayern hermachten, unternahm ein zweites schwedisches Korps den turnusmäßigen Vorstoß nach Prag. Am 26. Juli konnten die Schweden die Kleinseite einnehmen, kamen aber nicht über die Karlsbrücke, die von kaiserlichen Söldnern, Bürgern, niederen Klerikern und Studenten erbittert verteidigt wurde. Aber die Schweden waren diesmal ziemlich hartnäckig, und man wusste in Wien, dass die Verteidiger nicht mehr lange durchhalten konnten. Als im August die Nachricht eintraf, dass die Franzosen eine spanischen Armee unter Erzherzog Leopold vernichtet hatten, war dem Kaiser endlich klar: Das Haus Habsburg war eingestürzt. Er wies seine Gesandten an, in der Neutralitätsfrage einzulenken. Besonders von den protestantischen Ständen gedrängt, hatte Schweden seine Forderungen inzwischen auf 5 Millionen Reichstaler reduziert. Es war soweit, dem Frieden stand nichts mehr im Weg.

DIE GLOCKEN LÄUTEN

Am 24. Oktober wurde der Westfälische Frieden unterzeichnet. Wo immer die Kunde eintraf, läuteten die Glocken. Mal hatten sich die einen bei Gott für einen Sieg bedankt, mal die anderen. Nun dankten sie ihm alle für den Frieden. Die Kuriere nach Prag waren neun Tage unterwegs. Die Schweden stellten das Feuer ein, beluden ihre Gepäckwagen mit allen auf der Kleinseite greifbaren Wertsachen und Kunstschätzen und zogen ab.

WOFÜR DAS ALLES?

Die größten territorialen Verluste musste das Haus Habsburg hinnehmen. Hauptgewinner waren die Niederländischen Generalstaaten und die Schweizerische Eidgenossenschaft, deren Eigenständigkeit festgeschrieben wurde. Frankreich erhielt die Bistümer Metz, Toul und Verdun, die Landgrafschaft Oberelsass, Teile des Unterelsass und die Verwaltungshoheit über die elsässischen Reichsstädte. Schweden gewann unter anderem Pommern und die Bistümer Verden und Bremen. Die Rheinpfalz, die Landgrafschaft Hessen-Kassel, das Herzogtum Württemberg und einige kleinere Landesherrschaften wurden restituiert. Zum Ausgleich für den Verzicht auf Pommern erhielt Kurbrandenburg die Bistümer Halberstadt, Minden und Kamin, sowie die Anwartschaft auf das Erzbistum Magdeburg. Kurbayern verlor die Rheinpfalz, behielt aber die Oberpfalz. Die beiden Lausitzen blieben bei Kursachsen. Als „Normaljahr" galt das Jahr 1624. Das Restitutionsedikt wurde aufgehoben. Eine Entschädigung für die Bauern, die den Krieg ernährt hatten, war nicht vorgesehen.
Peter Milger - Gegen Land und Leute - Der 30jährige Krieg
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Geschichte der Kreuzzüge - Krieg im Namen Gottes
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