Die Auferstehung Jesu.
Wunder, Betrug oder nur schlecht erfunden?

RECHERCHE

Hauptsächlich benutzte Schriften Die Evangelien des Neuen Testaments (NT): Markus (Mk), Matthäus (Mt), Lukas (Lk) und Johannes Jh. Der Haupterzählung hat der Markus-Autor um 50 nach Christus niedergeschrieben. Die anderen drei übernehmen den Text viele Jahre später weitgehend und streckenweise sogar wörtlich, lassen sich aber selbst einiges einfallen. Die Geistzeugung Jesu samt Geburt und die Bergpredigt etwa hat der Matthäus-Autor hinzugefügt. Keiner der Autoren der Texte im NT war Zeuge einer Geburt, Kreuzigung, oder gar einer Auferstehung Jesu . Die Schreiber benutzten uns nicht bekannte Erzählungen, deren Wahrheit sie nicht nachprüfen konnten und wir natürlich erst recht nicht. Die realen Folgen dieser Erzählungen und die Lebensumstände der Epoche aber kannten sie aus eigener Anschauung. Sagen wir, hier liegt eine Mischung von Dichtung und Zutreffendem vor, wie in so manchem Schriftgut. Im Folgenden wird diese zwangsläufig nicht völlig ironiefreie Methode angewendet: Mit der universellen Lebenswirklichkeit kompatible Auskünfte werden höher gewichtet als die eher wundersamen.
Auferstehung nach dem Tod
Da Jesus nach seinem Tod unversehrt mit seinem Leib in den Himmel gelangt ist, stand nun allen Gläubigen dieser Weg offen - wenn auch nur nach bestandener Prüfung - Miniatur 11. Jahrhundert * Haupt-
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DIE AUFERSTEHUNG - VERHEISSUNG FÜR JEDERMANN

Im christlichen Glaubensbekenntnis wird vorgeschrieben, was die Gläubigen zu glauben haben: Am dritten Tag auferstanden von den Toten. Kaiser Konstantin und ein Konzil haben das im 4. Jahrhundert so beschlossen. So weit, so schön. Aber auch wahr? Oder doch nur gewinnbringend. Schon den ersten Bistümern wuchsen in kurzer Zeit riesige Latifundien und Geldvermögen zu. Kein Wunder, denn gleich am Anfang stand werbewirksame Botschaft. Im NT, Paulus-Brief an die Römer 6,4, wird klipp und klar formuliert, dass ein Eintritt in die Christengemeinde sich postmortal lohnen würde.

Wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.

In der Apostelgeschichte (Apg2,24) des NT spricht der Petrus zum Volk: Gott hat Jesus von den Wehen des Todes befreit und auferweckt.
Das machte laut Apg4,4-32 großen Eindruck bei den heilsuchenden Zuhörern.

Viele, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig und die Zahl der Männer stieg auf ungefähr fünftausend ... Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung des Herrn ... alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz und legten den Erlös des Aposteln zu Füssen.

Im wirklichen Leben ist beim Erzielen unstandsloser Gewinne dem Verdacht auf zumindest fahrlässigen Betrug nachzugehen. Sprich Schneeballsystem.

AUFERSTANDEN VON DEN SCHEINTOTEN?

Freitag. Es wird schon dunkel. Ein Joseph von Arimathäa ... nahm Jesus vom Kreuz ... und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes. Zwei Frauen namens Maria beobachteten, wohin der Leichnam gelegt wurde. Mk15,42-47. Die anderen Evangelisten übernehmen diesen Text mit geringfügigen Abweichungen. Dem zufolge liegt der entseelte Jesus am Freitag spät in der Nacht im verschlossenen Grab. Es gelten die Sabbat-Vorschriften und alle möglichen Akteure sind (noch ) jüdisch: Die Engel, Jesus und letzen Endes auch Gott. Tätigkeiten wie Auferstehen, Auferwecken und Stein entfernen kommen also nicht in Frage. Wer immer die Hinrichtung auf einen Freitag terminierte, sorgte damit dafür, dass sich am nächsten Tag niemand an der Ruhestätte zu schaffen machen würde. (Vorsorglich ist bei den Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas schon vorher davon die Rede, eine Auferstehung finde am dritten Tag statt). Augenzeugen waren demnach nicht zu befürchten und treten im NT auch erst am Sonntag auf. So gesehen hatte der Gekreuzigte freie Hand. Er könnte nach der Grabschließung, also noch am Freitag, wodurch auch immer, wieder zu sich gekommen sein. Es ist dunkel, keine Uhr, es ist Sabbat. Stein wegwälzen ist nicht lebensnotwenig, kann also aufgeschoben werden. Die Mühen und Drangsale des Tages waren erheblich. Warum nicht ein paar Stunden schlafen, aufpassen, wann es hell wird, den Stein wegwälzen und das neue Leben beginnt. Spekulativ? Auch den Paulinischen Briefen des NT wird eine Auferweckung mehrfach angesprochen, allerdings ohne die Terminierung am dritten Tag. Jedoch nein, allein durch eine Quelle ist nicht nachzuweisen, dass Jesus, sofern es ihn als Person gab, ein Betrüger war.

FINGIERT DURCH ZWIELICHTIGE JÜNGERSCHAR?

Die Evangelisten berichten fast übereinstimmend nicht nur Gutes über den engeren Kreis um ihren Meister. Judas verrät Jesus, Petrus verleugnet ihn. Die zwölf Herren tun beim gemeinsamen Abendessen vor der Hinrichtung sehr besorgt um ihren Gastgeber, lassen ihn aber letzten Endes bei der Verhaftung im Stich. Da verließen sie ihn alle und flohen. Mk14.50. Alsdann nehmen die Jünger weder an der Kreuzigung noch bei dem Begräbnis ihres Anführers teil - so übereinstimmend die vier Autoren. Demnach hätte diesem Zeitraum niemand die späteren Apostel gesehen. Wie das nun? Hatten die Herren charakterliche Defizite, sprich die Hosen voll oder hatten sie etwas anderes zu tun? Etwa Römer bestechen, um am an den Körper des Gekreuzigten zu gelangen und falsch Zeugnis über die Vorgänge ablegen? Eine geeignetes Grab aussuchen? Jedenfalls waren die Jünger unbeobachtet und hätten freie Hand gehabt, den Leib ihres Herren unentdeckt aus der Gruft zu entfernen, um dann zu verkünden, er sei auferstanden. Matthäus lässt uns wissen, die Hohenpriester hätten gegenüber Pilatus diesen Verdacht geäußert. Mt27,64: Dieser Betrug wäre schlimmer als alles andere zuvor. Entsprechend wird in seinem Bericht, - und nur in seinem - das Grab von römischen Militärs versiegelt und bewacht. Diese Version belegt aber nur, dass der Sekte feindlich Gesonnene diese Verschwörungstheorie um das Jahr 90 tatsächlich kolportiert haben, und dass Matthäus sich veranlasst sah, dagegen zu halten. Im Übrigen hätten die Jünger eventuell angetroffene Wachposten natürlich umgehend bestochen. Es handelte sich schließlich um Römer. Vorurteil? Laut Matthäus waren sie tatsächlich bestechlich.

Die Hohepriester und Ältesten ... gaben den Soldaten viel Geld und sagten: Erzählt den Leuten, die Jünger sind bei Nacht gekommen, und haben ihn gestohlen, während wir schliefen ... die Soldaten nahmen das Geld und machten es so ... So kommt es, dass dieses Gerücht bis heute verbreitet ist bei den Juden. Mt28,12-15

Was die Juden in dieser Sache verbreiten, hat den Vorzug, nachvollziehbar zu sein, was man von ein Auferstehung oder Auferweckung von den Toten schwerlich behaupten kann.

AUFERERSTEHUNG NACHVOLLZOGEN

Die Evangelisten sich einig: Der Leib liegt bis zum dritten Tag, sprich Sonntag leblos in der Gruft, also ohne Herzschlag und Hirntätigkeit. Frage jetzt, wo aber wartete sie Seele, der Geist Jesu, auf die Wiedervereinigung? Laut Lukas war er kurz auf einem Sprung im Paradies, die anderen gehen unausgesprochen von dem naheliegenden Gedanken aus, Jesus habe in Gestalt seines höheren Wesens in der Gruft darüber gewacht, dass niemand mit seinem inzwischen geliebten Leib Schindluder treibt. Demnach wäre die Reanimierung dann so vor sich gegangen: Der göttliche Teil von Jesus (Geist, Seele) nimmt sich seines Leichnams durch Wiederbelebungsmaßnahmen (Einhauchung) an, das Herz beginnt zu schlagen, das Hirn meldet sich zurück. Ob er sofort aufgestanden ist oder noch eine Weile im Dunklen liegen blieb, erfahren wir nicht.

DIE AUFERWECKUNG ...

Dabei könnte es etwas weniger umständlich zugegangen sein. Von ihr ist wie gesagt in den Paulinischen Briefen mehrfach die Rede, und zwar durch das Einwirken Gottes. Demnach hätte der Vater selbst oder einer seiner Gehilfen (Engel) den unsterblichen Teil Jesu bis zur Zusammenfügung mit der Leiche unter seine Fittiche genommen. Wie lange? Paulus macht keine Angabe über den Zeitpunkt der Herstellung der Ganzheit Jesu. Er geht wohl davon aus, dass am Sabbat nach göttlichem Gesetz Tätigkeiten wie Wiedererwecken und Stein wegräumen verboten sind.

UND DER STEIN VOR DER GRUFT

Insoweit herrscht also in Etwa Übereinstimmung: Irgendwann am Sonntag Morgen ist Jesus wieder lebendig, aber die Gruft verlassen kann er nicht, weil der Stein davor liegt. Eine Mütze Schlaf bis jemand das Grab öffnen würde, war nach den Strapazen der Vortage ja nicht das Schlechteste. Solche lebensnahen Erwägungen liegen den Biographen Jesu indessen fern. Ihre Sicht auf den Gottessohn ist durchweg ziemlich lieblos. Doch zurück zu der Hardware, sprich dem Stein vor der Grabhöhle. Auf dem Weg dorthin fragen sich die Frauen bei Markus am Sonntag Morgen. Wer könnte den Stein wegwälzen ... da sahen sie, dass er schon weg war ... er war sehr groß. Sie treffen einen Mann im weißen Gewand an, also einen Engel, womit sich ihre Frage erledigt hatte. Mk16,3-4. Lukas lässt sogar zwei Engel einschweben, um Jesus den Weg zu den Lebenden freizumachen. Johannes belässt es bei der schlichten Beobachtung: Der Stein war weg. Matthäus gerät dagegen in Hochform. Die Frauen kommen, um nach dem Grab zu sehen. Ein Erdbeben tritt ein, die Wächter fallen in Ohmacht ...

denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, ... wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.

Aber Jesus kommt den Frauen mitnichten aus der Gruft entgegen. Wie auch, er ist nämlich nicht mehr drin. So jedenfalls der Engel. Der sagt: Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier, er ist auferstanden ... Die Frauen eilen zu den Jüngern. Plötzlich kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seit gegrüßt. Mt28,1-9. Wie das jetzt? Demnach hätte sich Jesus aus der Gruft entfernt, als sie noch verschlossen war. Schwer begreiflich. Einen soliden Wacker kann allenfalls ein Geistwesen durchdringen, nicht aber Fleisch und Knochen eines Irdischen. Ergo impliziert die Version von Matthäus, dass Jesus den Stein selbst weggewälzt habe. Das wäre verständlich und moralisch vertretbar. Aber, ein großes ABER, warum hat er dann den Stein wieder vor die Gruft gewälzt? Um ein Wunder vorzutäuschen? Und was war mit den Söldnern, die eben dieser Matthäus vor dem Eingang Wache schieben lässt? Das Holterdiepolter beim Steinrollen hätte sie selbst aus einem Tiefschlaf erweckt. Da wären wir wieder beim Thema Bestechung. Aber woher hatte er dann die nötige Münze? Wurde sie vorsätzlich in der Gruft deponiert? Auch die Nichtbeantwortung dieser Fragen nährt den Verdacht, die Jünger und einige Helfershelfer hätten sich zu einer kriminellen Vereinigung gemausert und die Auferstehung zu Werbezwecken vorgetäuscht und die Juden hätten Recht mit ihrer Darstellung, es handele sich um Betrug. Und die Rolle der Autoren der Evangelien? Sie hatten natürlich den Auftrag, den Vorgang möglichst glaubwürdig zu gestalten. Keine leichte Aufgabe, denn sie hatten natürlich keine Ahnung, wie eine Auferstehung praktisch vor sich gehen könnte und sie mussten Augenzeugen herbeibringen. Am realistischsten klingt der Bericht von Markus über die Grablegung. Am Freitag als es schon Abend wurde begibt sich Joseph von Arimathäa... der auch auf das Reich Gottes wartete zu Pilatus und bittet diesen, den Leichnam Jesu herauszugeben. Der Römer ruft einen Hauptmann, der das Ableben des Gekreuzigten bestätigt (bestochen?) und Pilatus stimmt zu. Weiter:

Josef kaufte ein Leichentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes.

Zwei Frauen namens Maria beobachteten, wohin der Leichnam gelegt wurde. Mk15,42-47. Diesen Text übernehmen die anderen Evangelisten mit kleinen Abweichungen etwa die Anzahl der Frauen betreffend. Die könnten aber allenfalls beschwören, im und vor dem Grab keinen Jesus gesehen zu haben. Es ist eine Gestalt im weißen Gewand, der den Frauen von einer Auferstehung in Kenntnis setzt. Auch bei Lukas und Matthäus sind es als glaubwürdig geltende Engelartige, die die Bezeugung übernehmen. Bei Johannes tritt Jesus selbst als Zeuge auf. Maria von Magdala findet zwei Engel im Grab und sie sagt zu ihnen:

Man hat meinen Herrn weggenommen ... sie wandte sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war.

Sie hält ihn für den Gärtner und fragt, wohin er Jesus gebracht habe. Jesus sagte Maria. Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf Hebräisch zu ihr Rabbuni, das heißt Meister. Jh20,13-17. Kurz um, es gibt keine menschlichen, im Prinzip vorladbaren Augenzeugen für das Geschehen selbst, und die Frauen machen über die Aussagen ihrer himmlischen Informanten widersprüchliche Angaben. Der Grableger Josef von Arimathäa könnte immerhin bezeugen, er habe einen leblosen Körper in der Gruft hinterlassen. Leider kommt der Mann als Mitverschwörer in Betracht. (Johannes: ein Jünger, aber nur heimlich. Er wartet, bis die Frauen, die ihn beobachten, zu heimischen Herd enteilen, rollt den Stein weg, wiederbelebt seinen Chef, und verlässt mit ihm die Gruft (A). Oder entsorgt den Toten sonst wo (B).

FAZIT

Für eine Auferstehung oder Auferweckung spricht nur der Glaube daran. Nachprüfbare Beweise liegen nicht vor. Damit könnte die Christenheit leben. Schlimm aber, dass der Verdacht auf das Vorliegen einer strafbaren Handlung nicht ausgeräumt werden kann. Tatvorwurf: Arglistige Täuschung zum eigenen geldwerten Vorteil, hier Werbung für die Sekte. Wenn (A) wäre Jesus zumindest Mitwisser, wenn (B) wäre er unschuldig, aber nicht im Himmel.

Peter Milger

* Buchmalerei, Reichenau, um 1007/1012.-Auferstehung der Toten.-Aus dem
Perikopenbuch Heinrichs II. clm 4452, fol. 201 v.