Zur Geschichte der Entdeckung Amerikas - Westexpedition stand auf der Tagesordnung ab 1480 - z. B Martin Behaim und Fernando Dulmo in Portugal 1486 - Kolumbus und Behaim
Weltkarte um 1480
Druck um 1480: Eurasien, die halbe Welt. 180 Grad des Globus galten als bekannt.Die Rückseite wurde als ein großer Ozean gedacht, darin zumindest diversen Inseln mit unbekannter Größe. Die Azoren waren schon weit im Westen des Atlantiks gefunden worden, Expeditionen zwecks Eroberung waren längst in der Planung, als Kolumbus mit seinem Vorschlag in Portugal und Spanien vorsprach. Auch sein Vorhaben. Asien auf Westkurs zu erreichen, war eine alte Idee: Schon Aristoteles hatte dazu angeregt.
Peter Milger: Auszug aus DER FALL KOLUMBUS

Die Zeit war reif - Andrang am Start


Erzählungen über Inseln im Atlantik wurden von Generation zu Generation fortgeschrieben. Im 15. Jahrhundert galt es in den interessierten Kreisen als sicher, dass neben den schon kolonisierten Inseln weitere real existierten. Sie hatten auch Namen, etwa Inseln der sieben Städte, Antilia, Brasil. Die Portugiesen segelten problemlos zwischen Portugal und ihren Azoren hin und her, rund 1.500 Kilometer über das offene Meer. Die Navigation wurde beherrscht und es gab seetüchtige Schiffe, mit denen man Ziele auch in einem größeren Umkreis zu erreichen konnte. Eine von Kaufleuten finanzierte Expedition suchte von Bristol aus 1480 und 1481 im Atlantik nach Brasil. Sie waren mit staatlicher Genehmigung unterwegs, denn sollte es zu Eroberungen kommen, musste ja die Einführung feudaler Strukturen geregelt werden. Leider kennen wir nur ein jüngeres Patent. Im Jahr 1496 sollen John Cabot und seine Söhne eine Expedition ausrüsten:

Um zu entdecken und zu untersuchen in jedwedem Teil der Welt, der bisher den Christen unbekannt war.

Es geht um Landnahme. Die Cabots sollen:

Unser Banner und Zeichen über allen Dörfern, Städten, Inseln oder Festländern aufstellen ... und als unsere Vasallen und Leutnants die Herrschaft über die entdeckten Dörfer, Städte, Burgen und Festländer ausüben ...Von den Einkünften und Profiten ist nach Abzug der Spesen und Ausgaben ein Fünftel an uns zu entrichten.

Im Jahr 1486 stellte die portugiesische Krone ein Patent aus. Es bestimmt, dass:

Fermam Dulmo ... als Kapitän auszieht um die Insel der Sieben Städte zu entdecken im Auftrag des Königs ... und besagter Fermam Dulmo soll besagte Insel oder Inseln oder Festland als Alcalde regieren.

Über den Verlauf ist nichts bekannt. Das Patent besagt übrigens auch, dass ein Deutscher teilnehmen soll:

E quamto he ao cavalleiro allemam, que em companhia ...

Ein deutscher Ritter soll sie begleiten. Es kann sich nach Lage der Dinge nur um den Kaufmann Martin Behaim aus Nürnberg handeln. Behaim hielt sich ab 1484 mehrere Jahre lang in Portugal auf, war dort gelegentlich im Zuckerhandel tätig, heiratete eine besser gestellte Einheimische, nahm an einer portugiesischen Guinea-Expedition teil und hat der Krone eine Westexpedition nach Asien vorgeschlagen. Außerdem briet Behaim die Krone zeitweilig in Angelegenheiten der Seefahrt.

Ein großer Plan in Nürnberg

Es gibt einen Text, der in Unkenntnis der Resultate der Kolumbus-Expedition verfasst sein muss, weil er sonst sinnlos wäre. Er enthält die Anregung, mit Hilfe von Martin Behaim eine Expedition auf Westkurs nach Asien zu entsenden. Als Adressat des Schreibens wird der König von Portugal genannt, als Verfasser der Nürnberger Gelehrte Hieronymus Münzer, als Auftraggeber König Maximilian, als Datum der 14. Juli 1493. Zur Begründung heißt es:

Zahllose Argumente zeigen unwidersprechlich, dass das östliche Cathay über das Meer in wenigen Tagen zur erreichen ist ... Das hängt mit der Kugelgestalt der Erde zusammen ... Wenn es Euch genehm ist, könnt Ihr für diese Reise einen Begleiter gewinnen, den Euch unser König Maximilian sendet, nämlich D. Martin Behaim und andere erfahrene Seefahrer, die von den Azoren aufbrechen würden und kühn das Meer mit ihren Zylindern, dem Quadranten, dem Astrolabium und anderen Instrumenten überqueren ...

Für die Echtheit des Schreibens spricht, dass Behaim und Münzer sich kannten. 1493 überwachte Behaim in Nürnberg diverse Handwerker, die nach seinen Vorlagen einen Globus anfertigen. Seine Lebensdaten lassen sich nur mühsam aus einigen erhaltenen Briefen rekonstruieren. Sicher ist, dass er noch 1493 nach Portugal zurückkehrte. Laut Datum des Empfehlungsschreibens also im Juli. In Lissabon konnten sie ihm erzählen, dass Kolumbus auf dem Rückweg ein paar Monate vorher angelegt hatte.

Unauffällig in Portugal

Kolumbus hielt sich wahrscheinlich ab 1476 mehrere Jahre lang in Portugal auf, war dort gelegentlich im Zuckerhandel tätig, heiratete eine besser gestellte Einheimische, nahm nach eigener Auskunft an einer portugiesischen Guinea-Expedition teil und hat der Krone eine Westexpedition nach Asien vorgeschlagen. Richtig, das stimmt fast im Wortlaut mit obiger Auskunft über Behaim in Portugal überein. Sie könnten im Jahr 1484 miteinander gesprochen haben. Über Westexpeditionen, wie viel Grad pro Meile, diverse Inseln und Festländer. Wie man so sprach, in den einschlägigen Kreisen, damals in Portugal. Das räumt sogar S. E. Morison in ADMIRAL etc. ein:

Der Plan von Kolumbus, den Osten zu erreichen, in dem man nach Westen segelte, lag 18 Jahre lang in der Luft, bevor er durchgeführt wurde. Hätte er gezögert oder wäre er gescheitert, stand schon ein anderer bereit, sich für das kühne Unternehmen einzuschiffen.

Siehe auch
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