Die Erdachse zeigt auf den Polarstern, also dreht sich der Himmel um ihn. Am Pol sieht man ihn im Zenit, auf dem Äquator am Horizont. Zielt man über Kimme und Korn mit der oberen Kante auf den Polarstern, so ist diese parallel zur Erdachse ausgerichtet. Am Pol hängt das Lot parallel zur Peilrichtung, zeigt also auf 90 Grad. Am Äquator hängt es im rechten Winkel dazu, zeigt also auf 0 Grad. Zwischen Pol und Äquator zeigt es auf den jeweiligen Breitengrad. Einfacher geht's nicht.
Kolumbus irrt - 20 Grad zu viel

Auf Cuba. Blick zum Himmel:

Hier nahm der Admiral die Höhe mit einem Quadranten und fand, dass es 42 Grad vom Äquator waren. Noch immer bestätigt er, dass es Festland war.

Am Rand notiert Las Casas:

Das ist falsch, denn Cuba befindet sich auf keinem anderen Grad als ***

Die Eintragung macht den Biografen natürlich Kummer, ein Irrtum dieser Größenordnung ist tatsächlich blamabel. Einige glauben wie Las Casas, der Kopist habe falsch abgeschrieben. Das ist schlecht durchdacht. Laut der Eintragung vom 21. November schreitet Kolumbus noch einmal zur Messung:

Der Admiral fand 42 Grad nördlich des Äquators, wie im puerto des Mares. Aber der Admiral sagt hier, dass er den Quadranten zurückhält, bis er an Land geht, um ihn zu richten, in der Weise, dass es ihm erschien, dass es nicht so weit ist, und er hat recht, denn es ist nicht möglich, weil diese Inseln sich nur auf *** Grad befinden. Zu glauben, dass der Quadrant gut ging, ließ ihn annehmen,, sagt er, dass der Nordstern so hoch ist wie in Castilla (Mittelwert 40°).

Da der Admiral die abgelesenen 42° selbst kommentiert, ist der Kopist aus dem Spiel. Quadrant nicht in Ordnung? Was abhanden kommen kann, ist die Schnur mit dem Lot, dann zeigt der Quadrant nicht falsch an, sondern nichts. Ist das Lot weg, geht es auf 5° Grad genau auch mit Handbreit. Man beginnt mit einer Hand, die man mit ausgestreckten Arm auf den Horizont legt, die andere darüber, dann wieder die erste usw., bis der Polarstern erreicht ist. Pro Handbreit zählen wir 10° und fertig. Man findet ihn, in dem man die Hinterachse des Großen Wagens sechsfach verlängert. Wenn nicht, ermittelt man die Mittagshöhe der Sonne. Die jahreszeitlichen Abweichungen waren bekannt, die Portugiesen hatten das Verfahren für ihre Afrikafahrten längst entwickelt. Weitere Rettungsversuche:

Phantasie. Salvador de Madariaga:

Er lebte von Irrtümern, und je unwahrscheinlicher seine Lage war, desto besser segelte er nach dem Kompass seiner Phantasie darin umher.

Andere Einteilung. Martin Fernández de Navarrete, einer der Pioniere der neuzeitlichen Kolumbus-Großschreibung, besorgte der ersten Abdruck des DIARIO im Jahr 1825. Er kommentiert die Messung von 42°:

Die Quadranten zeigten in dieser Zeit die doppelte Höhe an.

Völliger Unsinn. Warum sollte jemand auf einer Viertelkreis-Skala (90 Grad) bei 21° die Zahl 42 hinschreiben? Und bei 90° die Zahl 180? Wenn das wirklich üblich war, war es zwingend, die Ablesung zu halbieren. John Boyd Thacher unverdrossen:

Der Admiral benutzte einen Quadranten, auf dem die doppelten Höhen markiert waren. So sollten die 42 Grad als 21 für die richtige Breite gelesen werden.

Episode. Gianni Granzotto:

Er dachte höchstwahrscheinlich an einen Fehler seines Quadranten, und einige Historiker haben diese Episode in diesem Sinn interpretiert. Hinzu kam, dass Kolumbus den Umgang mit diesem Instrument nicht gewöhnt war.

Falscher Stern. Morison in ADRMIRAL OF THE OCEAN SEA:

Die Gründe für diesen kolossalen Irrtum haben die Schlaumeier sehr beschäftigt. Navarrete postulierte einen nicht existierenden Quadranten mit doppelter Ablesung. Magnaghi argumentiere, Kolumbus habe die Portugiesen irreführen wollen ... Die wirkliche Erklärung ist einfach: Kolumbus pickte sich den falschen Stern, er „schoss" Alfrik (ß Cephei) ... Kolumbus wusste ganz genau, dass 42 Grad phantastisch falsch war.

Und pickt sich ein drittes Mal den selben falschen Stern heraus, um den der Himmel deutlich nicht kreist? Am 13. Dezember erfolgt die letzte Messung, und zwar auf Haiti:

Er sagt auch, dass er mit dem Quadranten fand, dass es zum Äquator 34 Grad waren.

Nur noch etwa 14° daneben, aber noch immer rund 1.500 Kilometer und mehr als eine Handbreit am Himmel. Rinaldo Caddeo in BORDBUCH, Anmerkung zum 30. Oktober:

In Wirklichkeit nur 21 Grade. Entweder verwendete Kolumbus zu seiner Berechnung einen Quadranten mit doppelter Höhenmessung oder aber die Zahl ist absichtlich abgeändert worden, um das Geheimnis seiner Kursrichtung zu wahren, was die größere Wahrscheinlichkeit für sich hat.

Unfug. Die mitgeteilten Koppelungen erlauben, die Atlantiküberquerung nachzusegeln. Das ging auch mit er gedruckten CARTA:

Es ist wahr, dass die Sonne sehr stark ist, da sie 26 Grad vom Äquator entfernt sind.

Losgesegelt von den Kanaren auf 28°, Land gesichtet etwa auf 24°. Für die Angabe 26° bedurfte es keiner Anpeilung des Polarsterns. Auf Westkurs bleibt die Mittagshöhe der Sonne mit kleinen täglichen Abweichungen konstant. Jeder Matrose war zu dieser Beobachtung fähig. Geheimhaltung war also nicht möglich. Was immer Kolumbus nach seiner Rückkehr der Krone abgeliefert hat, eine geografische Glanzleistung war es offenbar nicht. Während die Flotte ausgerüstet wird, um eine Kolonie zu gründen, lässt die Krone ihrem nunmehrigen Admiral mitteilen:

... und ebenso schickt die Karte, um die wir Euch vor der Abreise gebeten haben, beschriftet mit den Namen ... es erscheint uns gut, einen guten Astronomen mitzunehmen ...

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