Gegen Land und Leute - der 30-jährige Krieg - Der Fall Kolumbus - Geschichte der Kreuzzüge
AD FONTES
Geschichts-Reportagen, in denen
Augenzeugen und Dokumente direkt
zur Sprache kommen
Peter Milger Peter Milger, 1937. Studium Physik, Soziologie und Geschichte. Journalist, Buch- und Fernsehautor in Ffm
DIE KREUZZÜGE
Krieg im Namen Gottes
Auszüge
DER 30-JÄHRIGE KRIEG
Ursachen - Verlauf - Bilder Propaganda - Quellen
TV-Dokumentationen
Die Kreuzzüge, Krieg im Namen Gottes (13)
Gegen Land und Leute - 30jähriger Krieg (9)
Nordwestpassage (7)
Der Fall Kolumbus (3)
Die Papst-AG (4)

Fernsehserien für HR
Bücher unter anderen:
DIE KREUZZÜGE - Krieg im Namen Gottes
C. Bertelsmann, 7 Aufl.

GEGEN LAND UND LEUTE - Der 30-jährige Krieg,
C. Bertelsmann, 2 Aufl..
(Alle vergriffen)
Glaubenskriege, Religionskriege? Worum ging es wirklich?

Folgt man dem Kriegsgeschrei der Propagandisten von damals und heute, ging es bei den sogenannten Kreuzzügen und im Dreißigjährigen Krieg rein idealistisch um den wahren Glauben, die richtige Konfession. Um die realen Kriegsgründe zu ermitteln, schaut man sich am besten die Besitzstände nach dem Ende der Feldzüge an. Vor der ersten der Militärexpedition in den Nahen Osten verlautbarte der Papst, Ziel sei die "Vertreibung der Türken" aus christlich-oströmischen Territorien, Am Ende etablierten die Feudalherren drei Kolonien auf eben diesen Gebieten. Schon die Gewaltanwendung im Vorfeld des 30-jährigen Krieges begründete das katholische Lager mit dem hehren Ziel, die Einheit des wahren Glaubens wiederherzustellen (Gegenreformation). In der ersten Phase des Dreißigjährigen Krieges eroberten spanische Truppen und das Ligaheer unter Graf Tilly u. a, das Königreich Böhmen und die Rheinpfalz und nahmen sie in Besitz. Dazu verlangten Habsburg und die katholische Liga die Rückgabe aller Klöster und Bistümer, die sich protestantische Fürsten im Verlauf der Reformation angeeignet hatten (Restitutionsedikt.) Der drohende Machtzuwachs veranlasste nun Schweden und Frankreich, in den Konflikt einzugreifen und so kam der Krieg auf seine 30 Jahre. Die schlecht bezahlte Sodateska war angehalten, für sich selbst zu sorgen. Indem sie es tat, und in dem sie Krankheiten und Hungersnöte hervorrief, hat sie in großen Teilen des Reichs die Bevölkerung halbiert. Bezahlt haben den Krieg also vor allem die Bauern. Und das kam im Wesentlichen heraus: 10 strittige Bistümer und ein paar hundert Klöster verlieben bei den protestantischen Besitzern. Pommern ging an Schweden, das Elsass an Frankreich. Die Rheinpfalz samt Kurwürde fiel an den Herzog von Bayern. Das Königreich Böhmen gehörte nun zum Erbbesitz des Hauses Habsburg. Welch ein Fortschritt in Sachen Glauben.
Auszüge auf meinem Kanal auf YouTube DVDs leihweise
webmaster@milger.de.
Im Handel - siehe auch
IM HANDEL

Die Erzählung vom Wegbereiter der Moderne im Vergleich mit den Aussagen der Zeitgenossen
Verlag Pomaska-Brand - www.druckundverlag.de
168 Seiten, kart. 39 Abb. 17.-Euro
Einige Kapitel siehe unten
Thema Kreuzzüge
Vermischtes
Neues über Kolumbus. War er ein Sadist?

Der Archiv-Fund von Isabel Auguirre belegt ein weiteres Mal, dass Kolumbus ein äußert grausamer Herrscher war. Große Aufregung in Spanien und Amerika, aber nur zwei deutsche Zeitungen berichten darüber. (Bildzeitung: Er war ein Sadist). Das Feuilleton scheut sich, am Kolumbus-Mythos zu rütteln. Artikel hier. Steht seine Seligsprechung an? Papst Benedikt XVI.: Sie haben sich im Stillen danach gesehnt. Nämlich nach Christus. Müssen die Nachfahren der von den Kolonialherren malträtierten Völker Kolumbus dankbar sein? Näheres hier.
Die Kreuzzüge- Propaganda & Verlauf
Jesus Christus -historisch oder Typus ?
Konzil Clermont 1095
Wo ist das Reich der Toten?
Erster Kreuzzug 1096
Auferstehung Jesu - die Quellen
Judenpogrome 1096
Das Massaker von Jerusalem 1099
Theatrum Europaeum
Quelle zum 30jährigen Krieg
Kreuzzüge gegen die
Katharer (Albigenser)
Neue Bühne Frankfurt
Studententheater 1953-1964
Kolumbus im Wandel des Zeitgeistes
Kinderkreuzzüge
Kolumbus als Ritter. de Bry 1590 Kolumbus  als gelehrtes  Wunderkind  im 19. Jh.
Richard Löwenherz
Lebenslauf
Die Suche nach der
FRANKLIN-
EXPEDITION
Kreuzzug gegen Ostrom (Byzanz) 1202
Saladin
1.Feldzug in Palästina
2.Einnahme Jerusalem
Neuerliche Skandale
Plagiatsaffäre Guttenberg: EINE CHRONIK
Papst & Normannen
gegen Byzanz 1081
Onyx Frankfurt - Lärmen
für Rendite und Luxus
Kolumbus 1590, mit Kreuzfahne und Gewehr Um 1850, Gelehrter mit Zirkel und Karte.
Antisemitismus,
Judenpogrom &
die Dekrete der Konzilien
Der Kreuzfahrer

Rund 300 Jahre lang wurde Kolumbus nicht als Kosmograf verehrt, sondern als Ritter und Eroberer. So sah er sich auch selbst und so kommt er in diesem Buch zu Wort. Ein Kolumbus, der sich wie ein Kreuzfahrer äußert und so handelt. Der Menschen unterdrückt, versklavt und niedermetzeln lässt, mit der Begründung, es seien ja nur Heiden. Der die Bewohner Haitis mit Krieg überzieht und aus Goldgier zu Tode schindet.
Kurz, Kolumbus handelte und dachte im Rahmen althergebrachter Vorstellungen und hat auch nie angedeutet, dass er etwas anderes wollte.
Der Wissenschaftler

Erst als ein neues Zeitalter neue Helden brauchte, entdeckten Biografen den großen Kosmografen, den wagemutigen Wegbereiter der Neuzeit, den Verbreiter der Zivilisation, quasi die gute Seite von Landraub und Völkervernichtung. Der Mythos wurde auch anlässlich der 500-Jahrfeier der sogenannten Entdeckung fortgeschrieben. Da Kolumbus sich ständig irrte und verirrte, haben es neuzeitliche Biografen nicht leicht. Zitiert werden ihre Rettungsversuche, die meistens der Logik entbehren, aber nicht einer unfreiwilligen Komik.
Schlussstrich
Justiz und Widerstand im NS-Saat - Unrecht und Justizopfer nicht anerkannt - Juristen nicht belangt - - ein Mahnmal aus dem Jahr 1962 und die Anfeindungen gegen Staatsanwalt Fritz Bauer
Abteilung Unterhaltung mit Sinn
JESUS TERMINATOR
oder die hochheilige Vorhaut des
HERRN

Eine Posse im verwirrten Westen mit einem Nachwort von George W. Bush
Ein Thriller zwischen Wahn und Wirklichkeit. Bisher nur als E-Book (PDF) HIER
Kolumbus Santa Maria
Übrigens - Das Schiff des Kolumbus, die sogenannte Santa Maria hieß in Wahrheit ...
Kolumbus wird seit dem 19. Jahrhundert in allen Lebenslagen mit Globus abgebildet, um den Mythos vom großen Wissenschaftler und Gründunngsvater Amerikas zu pflegen. Er selbst aht aber in einem Brief un die spnische Krone geschrieben: Ich habe immer gelesen, dass die Erde eine Kugel ist. Na klar, das war ja schon seit der Antike bekannt. Dass die spanischen Gelehrten die Erde für eine Scheibe gehalten haben, ist einer Erfindung des Amerikanisten Washington Irving. Der Grund: Die USA sahen sich als Land des Fortschritts, daher musste der "Entdecker" ein Wegbereiter sein.
Christopher Kolumbus - der Mythos und die Fakten
Lichtgestalt - Lobgesänge der Biografen
Wegbereiter? Ein Mythos der Moderne

Die Legende von der Erde als Scheibe
Kolumbus: Die Erde ist eine Birne
Die Erde galt seit der Antike als Kugel

Will beweisen, Asien erreicht zu haben
Atlantikfieber - die Pläne der anderen
Die Meuterei fand nicht statt
Kolumbus betrügt Besatzung
Reisen an Hand der Bibel
Eigenlob mit Irrtümern
Größenwahn - Gesandter Gottes
Goldsucher und Kreuzfahrer

20 Grad daneben - Kolumbus irrt
Grausamer Herrscher
Das Geheimnis des Kolumbus
Die Bibel aller Kolumbus-Biographen ist das Buch seines Sohnes, die Historie, eine Lobeshymne auf den Vater und ein Plaidoyer in einem Rechtsstreit.
Fernandos Buch erscheint 1571 in Italien. Darin verklärt er unumwunden die Verdienste und Fähigkeiten seines Vaters. Trotzdem benutzen die meisten Biografen die HISTORIE wie eine seriöse Quelle, und zwar ohne sie zu nennen.Kolumbus starb am 20. Mai 1506 in Valladolid im festen Glauben, er habe Indien erreicht. Kein Chronist registrierte sein Ableben, kein Vertreter der Krone würdigte irgendwelche wissenschaftliche Verdienste. Im Gegenteil. Am spanischen Hof herrschte inzwischen die Auffassung, auf dem befohlenen Westkurs sei es unvermeidlich, auf den Kontinent zwischen Asien und Europa stoßen. Auch habe es 1492 längst auf der Tagesordnung gestanden, im Westen nach Land zu suchen. Folglich sei Kolumbus anderen nur knapp zuvorgekommen, und besonderer Fähigkeiten habe es nicht bedurft. Schließlich sei es nicht sein Auftrag gewesen, einen Seeweg nach Indien zu suchen, sondern im Atlantik:

Gewisse Inseln und Festländer zu entdecken und zu gewinnen.

Mit diesen schwer widerlegbaren Argumenten versuchte die Krone ein paar Jahre später die Zuwendungen und Ämter streitig zu machen, die den Kolumbus-Erben vertraglich zugesichert waren. Es ging um die inzwischen beträchtlichen Erträge aus den spanischen Kolonien. Bei einer langjährigen gerichtlichen Auseinandersetzung brachten die Erben vor, ohne die herausragenden seemännischen und kosmografischen Fähigkeiten von Kolumbus wäre der Kontinent nicht gefunden worden. Entsprechend plädiert Fernando Colon in seinem Buch. Das Bild, das er von seinem Vater entwarf, wurde zur Grundlage der nächsten Großschreibung im 19. Jahrhundert. Die Autoren der Entdeckungs-Literatur sahen sich in einem wissenschaftlichen Zeitalter angekommen und erhoben Kolumbus zu einem seiner Wegbereiter. Er selbt sah sich als ein bibeltreuer Gesandter Gottes.

Kolumbus brieflich im Jahr 1501:

Ich sage, dass mir für die Durchführung der Unternehmung keine Vernunft genützt hat, noch Mathematik, noch Weltkarten. Es hat sich nur erfüllt, was Isaías sagte.

In den ersten Jahrzehnten nach der Entdeckung im Jahr 1492 weisen die Autoren Kolumbus keine besonderen Fähigkeiten oder Kenntnisse zu. Erst 1571 lernte das Publikum einen anderen Kolumbus kennen, als Fernandos Buch in Italien erschien. Den großen, aber zeitlebens unverstandnen Kosmografen und Seefahrer.

LE HISTORIE… per D. Fernando Colombo suo figlio, Venedig 1571. Von Alfonso Ulloa aus dem Spanischen übersetzt.


Weil offensichtlich panegyrisch, also lobrednerisch, taugt das Werk eigentlich nicht als historische Quelle, wird aber von den Biografen als solche benutzt. Zur Großschreibung eignet es allerdings nur, wenn man nur die Tendenz übernimmt, und nicht daraus zitiert. Nur wenn man zitiert, kann sich der Leser ein eigenes Urteil bilden. Daher wird hier reichlich zitiert.

Zweitgrößter Europäer

2003 hat das französische Meinungsforschungsinstitut PSA 1000 Europäer gefragt, welche Persönlichkeiten ihnen am europäischsten vorkämen. Hinter Leonardo da Vinci landete Kolumbus auf Platz zwei. (FR 05.03)
Freiheit oder Tod. Viele Bewohner Haitis entziehen sich der Herrschaft der Spanier durch Selbstmord Tote schreiben nicht
Ausrottung der Tainos Ausbreitung der Zivilisation
Manche sind so verzweifelt, dass sie freiwillig aus dem Leben gehen. Andere zeugen keine Kinder mehr. Man sagt auch, manche nähmen Mittel, um die Frucht des Leibes abzutreiben, weil sie wissen, dass sie nur Sklaven der Christen werden ... Die Zahl der unglücklichen Einwohner Hispaniolas ist stark zurückgegangen. Viele berichten, es waren einst eine Million und zweihunderttausend. Ich schrecke zurück, den heutigen Stand anzugeben.

Pietro Martire, ein Freund von Kolumbus. Bild: De Bry, Amerikae 1590)
Denkmal in Santo Domingo. Eine Taino-Frau bedankt sich bei Kolumbus, der über ihr auf dem Sockel steht, weil sie durch ihn das Schreiben gelernt habe. Ansage: Die Indianer sollen sich über ihre Entdeckung freuen. Kolombus, die Güte selbst, hat die mühsame Reise nur unternommen, um die Segnungen der Zivilisation zu spendieren. Ansage Ende. Das Motiv ist ja durchschaubar: Der Kolumnus-Mythos dient der Rechtfertigung von Landraub und Völkervernichtung und damit der Beruhigung des kollektiven abendländischen Gewissens. Schnee von Gestern? gefehlt, das Beschönigen geht weiter.
Und um die Seelen der Heiden zu retten
Papst Benedikt XVI. verkündete im Mai 2007 auf Besuch in Brasilien, die Vorbesitzer des Kontinents hätten sehnsüchtig auf jemanden gewartet. Nicht auf Kolumbus natürlich, sondern auf:

Christus, den unbekannten Gott, den ihre Vorfahren, ohne es zu wissen, in ihren reichen religiösen Traditionen suchten. Christus war der Erlöser, nach dem sie sich im Stillen sehnten.
Die Transfer-der-Zivilisation-Propaganda kam erst im 19. Jahrhundert richtig in Schwung, um das Gewissen des sich inzwischen aufgeklärt gerierenden Publikums zu beruhigen. Die ursprüngliche Schönschreibung der robusten Enteignung und Dezimierung der sogenannten Indianer erfolgte unter der Parole Ausbreitung des Christentums. Erfunden und angewendet wurde sie von den Propagandisten des ersten groß angelegten
abendländischen Feldzugs, der im Jahr 1099 ebenfalls äußerst robust zu Gründung von Kolonien im Nahen Osten führte. Hat die neuzeitliche (aufgeklärte?) Geschichtsschreibung die Behauptungen der Kreuzzugspropanda kritisch thematisiert? Nein, sie hat sogar einige der ursprünglichen Rechtfertigungen übernommen. Ist der Fall Kolumbus Teil eines quasi grundsätzlichen Falls? Dafür gibt es allerhand Belege.
DIE PROPAGANDA DER KREUZZÜGE
Eine endlose Geschichte
Erweiterte Version in Arbeit
Hier
BN Ms Fr 22495 Fol. 15 Bush ruft zum Kreuzzug auf Kreuzzugspropagnda BM 16 G VI  Fol. 185
Papst Urban 1095, Konzil in Clermont. Verlautbarte Begründung: Befreiung der von den Türken grausam unterdrückten Christen in Anatolien. Bis heute unterschlagener Beschluss:

Auf dem Konzil zu Clermont ... wurde mit einmütigem Beifall dekretiert, dass jede Stadt jenseits des Meeres, die den Heiden entrissen werden kann, für immer ohne Widerspruch behalten werden soll.


Präsident George W. Bush am 16.3.2203: Montag ist der Augenblick der Wahrheit der Welt für Irak (Gipfeltreffen auf den Azoren)
Muslime verrichten ihre Notdurft vor einem christlichen Altar. Propaganda zur Rechtfetigung der Feldzüge im Namen Gottes
Kreuzzüge im Mittelalter Propaganda gegen Muslime BN Ms Fr 22495 Fol. 9
Bekreuzte nehmen Jesusalem in Besitz, nachdem sie sämtliche Bewohner umgebracht hatten. Die Bezeichnung Kreuzritter ist die reine Schönfärberei.
Bei der Ermordung eines Christen schaut ein Göze schaut zu. Muslime galten als Heiden, obwohl sie an den Bibelgott glauben. Miniaturen 14.Jh.
Kreuzzüge im Mittelalter
Mit der Darstellung der eignen Grausamkeit hatten die christlichen Chronisten und Augenzeugen kein Problem, da sie sich im Recht fühlten. Sie räumten ein, dass sämtliche Bewohner Jerusalems umgebracht wurden, nachdem die Anführer es beschlossen hatten. Motiv: Eine umstandslose Besitznahme der ganzen Stadt.Erst im 19. Jahrhundert werden die Bilder romatisiert. In der Bildunterschrift ist von einem "Einzug" in Jerusalem die Rede.
Vorwort zur Aktualität

(0) Von Papst Urban II. (1095) zu George W. Bush

Erstaunliche Parallelen

Im Rahmen der Rechtfertigung beider Irakfeldzüge haben die jeweiligen Präsidenten von einem Kreuzzug gesprochen. Mittelalterlich befinden die Kritiker, modern geben die Befürworter zurück. Irgendwie haben beide Recht. Vergleicht man das Original mit der Reprise, ergeben sich erstaunliche Parallelen. Die Betreiber von damals haben der Propaganda einen ähnlich hohen Stellenwert eingeräumt wie die heutigen. Im Zentrum stehen die den Gegnern unterstellten Grausamkeiten und die edlen Motive der eigenen Truppen.

Aufruf von Papst Urban:

Die gottlosen Türken haben in Kleinasien Kirchen zerstört, die Ostchristen getötet und unterdrückt, sie bedrohen auch den Westen. Es geht uns um die Befreiung der Ostchristen.

Kriegsgrund laut US-Regierung:

Der Irak besitzt Massenvernichtungswaffen, das Regime unterdrückt die Bevölkerung, tötet Gegner und bedroht den Westen. Es geht uns um die Befreiung der Iraker, Demokratie und Menschenrechte.

Verlauf

Beim Vormarsch haben die Kreuzfahrer keine zerstörten Kirchen gefunden und keine Belege für eine feindselige Behandlung der Ostchristen. Die Feudalherren aus den Westen übten als Besatzungsmacht die Herrschaft aus, viele Ostchristen kamen zu Schaden, die Befreiten setzten sich teilweise zur Wehr. Die einen fanden keine zerstörten Kirchen, die anderen keine Massenvernichtungswaffen. In beiden Fällen entlarvt der Verlauf die Begründungen zumindest partiell als Propaganda. Vor allem das von den PR-Beratern der US-Regierungen ausgemalte Feindbild (Reich des Bösen) ist für Kreuzzüge typisch. Das aber ist nur erkennbar, wenn man das originäre Konstrukt kennt.

Texte unterschlagen

Auch die Größten der Zunft, Hans Eberhard Mayer und
Steven Runciman haben weder die Propaganda für die Kreuzzüge thematisiert noch die überlieferten Texte zitiert. Sie belegen, was durch das Versäumnis wie eine Enthüllung wirkt, nämlich dass die erste Militärexpedition in den Nahen Osten von einer massiven Werbung begleitet wurde. In älteren einschlägigen Werken wurde das Feindbild der Kreuzzugspropaganda dagegen sorgsam gepflegt. Und es wirkt nach.

Hasspredigt

Was Muslime so in christlichen Kirchen treiben. Miniatur siehe oben. Entstanden und verbreitet um 1325 in Frankreich. Den dazugehörigen Text haben Generationen von Europäern gelesen, in Handschriften und dann auch gedruckt. Verfasst wurde er von einem Mönch aus Reims um 1110. Er lautet:

Sie wandeln Altäre um, die sie mit ihren Abscheulichkeiten befleckt haben, beschneiden die Christen, und verspritzten das Blut der Beschneidung über die Altäre oder gießen es in die Taufbecken.

Fast alle Chronisten machen von diesem Text Gebrauch. So auch der populäre
Wilhelm von Tyros:

Das gottlose Volk der Türken hatte die ehrwürdigen Orte entweiht, die Gottesdiener hinausgeworfen und die Kirchen zu vulgären Gebrauch bestimmt. Die einen zu Ställen für Pferde und Lasttiere, die anderen für Zwecke, die für diese Orte unschicklich waren.

Es schwelt noch unter der aufgeklärten Oberfläche. Brigitte Bardot warnt in ihrem Buch Ein Schrei in der Stille vor der Islamisierung Frankreichs.

Die Flüchtlinge schänden und stürmen unsere Kirchen, um sie in menschliche Schweineställe zu verwandeln und scheißen hinter die Altäre.

Die Dame wurde zu einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt. Ein guter Verteidiger hätte zur Entlastung auf die lange gepflegte Tradition und die Quellen ihrer Verlautbarung hingewiesen.

Die Türken vor Wien

Wer neuerlich zu einem Kreuzzug aufruft, rechnet damit, dass die Bilanz der Originalunternehmung verdrängt wurde. Die Kolonien im Nahen Osten konnten sich nur rund hundert Jahre lang und nur dank stetiger militärischer Unterstützung aus Europa behaupten, und Hunderttausende waren zu Tode kommen, als sich die letzen Bekreuzten einschiffen mussten. Die milites Christi unterdrückten die orientalischen Christen, führten Krieg gegen das oströmische Reich und schwächten es derart, dass die Feinde Christi am Ende leichtes Spiel hatten. 1453 trat die Situation ein, die Papst Urban zur Begründung des ersten Feldzugs beschworen hatte: Die Truppen des osmanischen
Sultans Mehmed II. eroberten Konstantinopel. Und 1683 standen die Türken vor Wien.

Clash of Civilisations

Die Kreuzzüge sind nicht als komplettes Desaster im westlichen Bewusstsein angekommen. Wenn ein amerikanischer Präsident zu einem Kreuzzug aufruft, kann er davon ausgehen, dass die meisten US-Bürger zumindest kein Problem damit haben. Andere erschrecken. Was muslimische Schüler in ihren Büchern über das Massaker von Jerusalem und die Feudalregimes im Nahen Osten lesen, ist nicht übertrieben. Die Prediger eines heiligen Krieges gegen den Westen brauchen nicht viele Worte zu machen, wenn sie daran erinnern.

Eroberung geplant, Plan unterschlagen

Noch im Jahr 2004 wird viel gerätselt, ob es der US-Regierung nur um Öl geht. Amtliche Dokumente, die auf schnöde Habgier hinweisen könnten, unterliegen natürlich der Geheimhaltung. Nachdem erkennbar wurde, dass der irakische Diktator die Heimtücke besaß, seine Massenvernichtungswaffen vernichten zu lassen, behauptet Präsident Bush, es sei von Anfang an um gute Sachen gegangen, etwa Demokratie und Menschenrechte. Viele tote Zivilisten, Trümmer, Chaos, Widerstand - aber Motto, wir wollten nur das Gute. Das wird auch gern den Original-Kreuzzügen nachgesagt, zum Beispiel im Rahmen einer überaus erfolgreichen Ausstellung in Mainz. Kardinal Lehmann ließ dazu wissen, die Ursprünge der Kreuzzüge seien religiös gewesen, räumt aber ein, politische und ökonomische Kräfte hätten sie instrumentalisiert. Erst fromm, dann schlimm, ist die heute vorherrschende Sichtweise. Auch sie wird durch eine Unterschlagung möglich, die gründlichste von allen. Die Betreiber haben ihr Hauptmotiv nämlich durchaus zu Protokoll gegeben. Es handelt sich um ein kirchliches und damit rechtsverbindliches Dekret. Fulcher von Chartres, der kenntnisreichste Zeitzeuge hat es überliefert:

Auf dem Konzil zu Clermont... wurde mit einmütigem Beifall dekretiert, dass jede Stadt jenseits des Meeres, die den Heiden entrissen werden kann, für immer ohne Widerspruch behalten werden soll.

Der einzige Text, in dem ein Kriegsziel amtlich festgehalten wird, ist nicht einmal durch eine auf Fulcher hinweisende Fußnote in der Geschichtsschreibung angekommen.

Die Gräuelpropaganda kompakt

Wie für den ersten Feldzug geworben wurde, vermitteln vor allem diverse Versionen einer Rede, die Papst Urban gehalten haben soll. Ab 1106 leiten die meisten Chronisten und Historiker ihre Erzählung mit einem solchen Aufruf ein. (Der Kreuzzugs-Lesestoff war natürlich sehr gefragt.) Die neuerliche Geschichtsschreibung erwähnt die Aufrufe nur, unterschlägt aber Wortlaut und Tenor, nämlichen diesen:

Die Türken vergewaltigen junge Christinnen, die Mütter müssen dazu schmutzige Lieder singen, sie beschneiden junge Männer und gießen das Blut in Taufbecken, sie reißen die Därme bei lebendigem Leibe heraus und metzeln alle Christen nieder. Sie zerstören die Kirchen, besudeln sie mit Kot und verwandeln sie in Bordelle.

Vor dem ersten Irak-Feldzug (Oktober 1990) trat die 15 Jahre alte Tochter des kuwaitischen Botschafters als Krankenschwester im Kongress auf und erzählte, irakische Soldaten hätten in Kuwait in einem Krankenhaus Frühchen aus ihren Brutkästen gerissen und auf dem Boden liegen lassen - on the cold floor to die. Alle Medien gaben das unkritisch weiter, bis jemand auf die Idee kam, in diesem Krankenhaus nachzufragen. Das Gespür für Propaganda ist offensichtlich unterentwickelt, der Nutzen entsprechend groß. Um Abgeordnete und Bevölkerung für einen Feldzug zu gewinnen, spannte die Regierung für ein Honorar von mehr als 10 Millionen Dollar die PR-Agentur Hill & Knowlton ein.

Das aktuelle Böse

Der neuerdings im Westen entdeckte Unwesen, der Feindliche Kombattant oder Terrorist kann nach der Abstemplung zum Schlimmsten der Schlimmsten (Prof. David Cole) mit Billigung der Mehrheit im US-Gewahrsam wie ein Gesetzloser behandelt werden.
DIE PROPAGANDA DER KREUZZÜGE

(0) Von Papst Urban II. (1095) zu George W. Bush
Übereinstimmungen * Propaganda und Verlauf der Feldzüge
(1) Wir wären gern die Guten
Propaganda von 1095 infiziert Geschichtsschreibung
(2) Ein dubioses Hilfeersuchen wird zur historischen Wahrheit
Beleg unkritisch übernommen * Andere Belege fehlen * Kontext spricht dagegen
(3) Unsere Brüder - Worte und Taten
Vasallen des Papstes führen Krieg gegen das christliche Ostrom
(4) Die politische Agenda des Konzils von Clermont
Beklagt Kirchenspaltung, Kriege, Korruption und hohe Kriminalität * Aufruf stärkt Papstum
(5) Hilferufe und Feindbild
Der sogannte Alexiosbrief * Antitürkische Gräuelpropanda * Vorlage für Hasspredigt
(6) Die Predigt von den beschmutzten Kirchen
Wie die Propaganda mobilisert und die Spendenbereitschaft fördert
(7) Gott will es - begeisterte Historiker
Weitere Papstreden verfasst * Konzil verklärt * Geschichtsschreibung macht mit
(8) Exkurs: Schlachtrufe
Diverse Schlachtrufe * Kein verordneter * Gott will es nur Dankesruf
(9) Juden -Pogrome
Feinde Gottes rechtlos* Feindbild übertragen * Bekreutze plündern und morden
(10) Robuste Walfahrt
Aus christlichen Brüdern werden Feinde * Massaker in Ungarn * Beraubt statt befreit

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